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Ungeachtet internationaler Luftangriffe und heftiger Gegenwehr kurdischer Kämpfer ist die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) tiefer in die nordsyrische Kurdenstadt Kobane vorgedrungen. Angesichts der schwarzen IS-Flaggen über den Aussenquartieren dürfte ihr Fall nur noch eine Frage der Zeit sein.

Der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, sagte, die IS-Kämpfer seien nun auch in Stadtteile im Süden und Westen eingedrungen. Die Dschihadisten hätten dort mehrere Gebäude unter ihre Kontrolle gebracht.

Zudem habe es neue Luftangriffe der US-geführten internationalen Militärallianz gegen IS-Stellungen gegeben. Auch von der türkischen Seite der Grenze waren die Kämpfe und Luftangriffe zu hören, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Der in Kobane ansässige Aktivist Mustafa Ebdi sagte, die Luftangriffe hätten aber wenig bewirkt. Sie hätten das Plateau Mischtenur südlich von Kobane getroffen, wo sich keine IS-Kämpfer aufhielten. Ebdi bestätigte auch die Strassenkämpfe zwischen Kämpfern der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und Dschihadisten in der Kurdenstadt.

Der IS hatte vor drei Wochen seine Offensive auf Kobane gestartet und dabei zunächst dutzende Orte in der Umgebung erobert. Rund 300'000 Menschen flohen vor den Kämpfen, davon mehr als 186'000 in die Türkei. Mit der kompletten Einnahme Kobanes würden die Dschihadisten weite Teile der türkisch-syrischen Grenze kontrollieren.

Türkei Gewehr bei Fuss

Die auf Arabisch Ain al-Arab genannte Stadt liegt direkt an der Grenze zur Türkei. Ankara hat zwar Truppen zusammengezogen, doch bisher nicht in die Kämpfe eingegriffen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte bei einem Besuch in einem Flüchtlingslager im südtürkischen Gaziantep, Kobane stehe kurz vor dem Fall.

Obwohl der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu vergangene Woche angekündigt hat, alles zu unternehmen, um die Eroberung Kobanis durch den IS zu verhindern, gibt es bislang keine Anzeichen für eine türkische Intervention.

Zuerst muss Assad weg

Der türkische Regierungschef machte vielmehr klar, dass die Vorbedingung für ein Eingreifen in die Kämpfe ein Sturz von Präsident Baschar al-Assads sei. "Wir wollen das Regime nicht mehr an unserer Grenze haben", sagte er dem Sender CNN. Wenn Assad in Damaskus mit seiner brutalen Politik an der Regierung bleibe, würden nach einem Sieg über den IS neue terroristische Organisationen entstehen.

Allerdings riskiert Davutoglu so ein Wiederaufflammen des Konflikts mit der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Deren inhaftierter Chef Abdullah Öcalan hatte mit einem Ende des Friedensprozesses mit der türkischen Führung gedroht, sollte es in Kobane zu einem Massaker kommen. Die in Kobane kämpfenden Kurden sind mit der türkischen PKK verbündet.

Proteste der Kurden

Bei den Kurden in der Türkei stösst die Tatenlosigkeit der Regierung in Ankara auf Widerstand. In der Stadt Mus lieferten sich prokurdische Demonstranten Strassenschlachten mit türkischen Sicherheitskräften. Dabei wurde ein Mann getötet.

Zu ähnlichen Zusammenstössen wie in Mus kam es auch in weiteren türkischen Städten: In Istanbul, Ankara, Antalya und der kurdisch geprägten Grossstadt Diyarbakir gingen die Sicherheitskräfte mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor.

In Europas Städten verlangten kurdische Aktivisten ebenfalls mehr Unterstützung für den Kampf gegen den IS. Mehrere Dutzend Demonstranten drangen in das Europaparlament in Brüssel ein, um auf die Lage in Kobane aufmerksam zu machen. Auch in Deutschland und der Schweiz gab es in verschiedenen Städten Protestaktionen.

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SDA-ATS