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Kevin Anderson versucht heute im Wimbledon-Viertelfinal, im fünften Anlauf erstmals gegen Roger Federer zu gewinnen. Eine Begegnung mit einer spannenden Persönlichkeit.

Grimmiger Blick, brachiale Aufschläge, eher ungelenke Bewegungen - Kevin Anderson gehört mit seinen schlaksigen 2,03 m Körpergrösse nicht zu den eleganten Erscheinungen auf einem Tennisplatz. Freundlicher Blick, ausführliche Antworten, begeisterter Gitarrenspieler - neben dem Platz ist der Südafrikaner ein anderer Mensch. Einer mit Herz und Köpfchen.

Manchmal mit fast zu viel Herz. Denn Anderson gehört zu den Menschen, die eher zu viel machen als zu wenig. Als Kind nicht auf Rosen gebettet, baute der Vater für den damals sechsjährigen Kevin und dessen Bruder Greg eine Ballwand, gegen die die beiden stundenlang Bälle prügelten. Mit Hilfe eines Lehrbuchs ("Total Tennis Training" des Amerikaners Chuck Kriese) brachte er seinen Söhnen das Tennis bei, bis sie in der High School, wo er auch 800-m-Läufer war, mehr Trainings- und Spielmöglichkeiten erhielten. "Er legte viel Wert auf die Beinarbeit, und wir übten auch vor dem Spiegel Trockenschläge", erinnert sich Kevin Anderson.

Er wurde zu einem guten Junioren und spielte einige Turniere gegen den 16 Tage jüngeren Rafael Nadal. Eine Profikarriere traute sich Anderson zunächst aber nicht zu - auch aus finanziellen Gründen. Stattdessen studierte er mit einem Tennisstipendium an der Universität von Illinois. Ein wegweisender Entscheid: An der Uni lernte er Kelsey aus dem Golfteam kennen, die er schliesslich vor sieben Jahren heiratete.

Entspannen mit der Gitarre

Seither reist das Paar gemeinsam um die Welt. Anderson ist nämlich nicht nur ein harter Arbeiter, er hat auch ein Flair für leisere Töne. Immer mit dabei: seine Gitarre. Nirgends passt das so gut wie in Wimbledon, wo er im gemieteten Haus nach Training oder Matches beim Gitarre spielen abschalten kann. Und am Samstag, nach seinem Sieg in der 3. Runde gegen Philipp Kohlschreiber, gönnte er sich in London einen Besuch beim Konzert des hawaiianischen Singer-Songwriters Jack Johnson.

Anderson arbeitet auch an der Zukunft des Tennis - nicht nur des eigenen. 2016 zog er ein Seuchenjahr ein mit Operationen und Verletzungen an Knöchel, Knie, Schulter, Leiste, Hüfte und Oberschenkel. Mit seinen 32 Jahren, das musste er eher widerwillig einsehen, kann er nicht mehr so viel trainieren wie früher. Und es tut ihm gut. Seit rund einem Jahr befindet er sich auf einem Höhenflug mit dem US-Open-Final (Niederlage gegen Nadal) als Highlight. Nun steht er nach drei Achtelfinal-Niederlagen erstmals im Viertelfinal von Wimbledon und dürfte am kommenden Montag als Nummer 7 das beste Ranking seiner Karriere egalisieren.

Seit 2012 sitzt der Südafrikaner zudem im Spielerrat der ATP, einige Jahre zusammen mit Roger Federer. Ein spezielles Anliegen war ihm die Erhöhung des Preisgeldes in den frühen Runden der Turniere. "Es ist natürlich schwierig zu sagen, ob es so ist", gibt er vorsichtig. Aber er denke, dies könnte der Grund sein, dass es mehr Überraschungen gebe. "So können sich mehr Spieler einen eigenen Coach und Physiotherapeuten leisten, sodass sie im Vergleich zu den Topspielern nicht mehr so im Nachteil sind."

Fehlendes Geld in Afrika

Weniger rosig sieht er die Zukunft des Tennis in Afrika. Auch das hat vor allem finanzielle Gründe. Zwar lebt Anderson mit seiner Frau mittlerweile in Florida. Er ist aber regelmässig in seiner alten Heimat und besucht Schulen, um Kinder zum Tennis spielen zu animieren. Aber er weiss auch: "Es ist ein harter Sport, und es gibt auf dem ganzen Kontinent sehr wenig professionelles Tennis." Sogar für ihn, im verhältnismässig reichen Südafrika, sei es schwierig gewesen. "Und an den meisten anderen Orten in Afrika gibt es noch viel weniger Geld." Für Südafrika sei er "vorsichtig optimistisch", aber es werde wohl mindestens 10 bis 20 Jahre brauchen, bis mehr afrikanische Tennisspieler den Weg an die Spitze fänden.

Eine spezielle Verbindung zwischen Anderson und Federer gibt es trotz dessen südafrikanischer Mutter nicht. "Ich kenne ihn vor allem aus dem Spielerrat", sagt Federer. Anderson betont, dass der Basler zwar viel für Afrika mache. "Aber er identifiziert sich natürlich klar als Schweizer." Und diesen Schweizer möchte er am Mittwoch gerne zum ersten Mal schlagen. Die Bilanz lautet 0:4 - doch Gaël Monfils hatte er bis am Montag im Wimbledon-Achtelfinal auch noch nie bezwungen. "Ich spiele aktuell vielleicht das beste Tennis meiner Karriere", betont der Riese aus Johannesburg. "Und dann bin ich sehr gefährlich." Auch wenn er damit keinen Schönheitspreis gewinnt.

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SDA-ATS