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Uruguay kann sich heute gegen Frankreich zum sechsten Mal bei einer WM in die Top 4 spielen. Das kleine Land geht seinen eigenen Weg - und begeistert damit auch einen Franzosen.

Nicht ein Uruguayer, sondern ein Franzose wird in den Tagen vor dem Achtelfinal-Duell der beiden Mannschaften als lautester und leidenschaftlichster Verehrer des kleinen südamerikanischen Landes wahrgenommen. Nicht zufällig ist es mit Antoine Griezmann einer, der nicht über ein französisches Ausbildungszentrum an den Profifussball herangeführt wurde. Der EM-Torschützenkönig ging einen beschwerlichen Weg, musste als schmächtiger Teenager in Spanien sein Glück versuchen, weil ihn die französischen Scouts als nicht konkurrenzfähig ansahen. In der Aussenseiter-Rolle zum Erfolg - das haben Griezmann und Uruguay gemeinsam.

Der Erfolgsweg von Griezmann ist uruguayisch geprägt. Bei Real Sociedad ermöglichte ihm Martin Lasarte, der Trainer aus Montevideo, den ersten Einsatz als Profi, seine engsten Bezugspersonen waren in San Sebastian und auch danach bei Atlético Madrid uruguayische Spieler. Wie derzeit José Maria Gimenez und Diego Godin, die am Freitag die Innenverteidigung des Gegners bilden werden. Godin, der Captain der Uruguayer, ist der Götti von Griezmanns Tochter und seit Jahren ein enger Freund.

Griezmann würde sich ohne Anlaufzeit in Uruguays Nationalmannschaft zurecht finden. Ihn zeichnet vieles aus, was er an diesem Land schätzt. Etwa die Mischung aus Leichtigkeit und Entschlossenheit, die beim etwas kindischen Torjubel und der Bereitschaft, in jeden Zweikampf zu gehen, zum Ausdruck kommt. Lasarte sagte ihm vor einem Duell mit einem gefürchteten Verteidiger gemäss "L'Equipe" einst: "Wenn er dich rasend macht, nimm eine Handvoll Gras, wirf sie ihm an den Kopf und sag ihm: Friss das!"

Uruguayer wissen, was es heisst, gegen Grössere und vermeintlich Stärkere bestehen zu müssen. Sie kommen aus dem mit 3,5 Millionen Einwohnern viertkleinsten Land des südamerikanischen Kontinents und haben je eine gemeinsame Grenze mit Brasilien und Argentinien. Brasilien hat nur schon 2,1 Millionen lizenzierte Fussballer, Argentinien hat über zehnmal mehr Einwohner als Uruguay. Dass die "Celeste" trotzdem mit den Besten mithalten kann, hat viel mit der Einstellung zu tun, mit dem ausgeprägten Kampfgeist, aber auch mit der Fähigkeit, sich anzupassen und das zu tun, was nötig ist, um zu gewinnen.

"Es wird eine mühsame Partie", blickte Griezmann auf den Match voraus. "Sie werden sich immer Zeit lassen, fallen, mit dem Schiedsrichter reden." Schon immer gehörten Tricks an der Grenze der Legalität und manchmal darüber hinaus zur Strategie von Uruguay. Sie trugen dazu bei, dass diese kleine Nation im Fussball erstaunlich viele Erfolge gefeiert hat, je zwei WM- und Olympia-Siege sowie 15 Erfolge bei der Copa America.

Eine Weile lang waren die zum Teil weit zurückliegenden Erfolge mehr Last als Ansporn. Die Trendwende führte Oscar Tabarez herbei. "Wir waren eine grosse Fussballmacht. Aber wir haben dann den Faden verloren, waren nicht mehr in der Lage, den Fussball von Generation zu Generation weiterzugeben", sagte der 71-jährige Nationalcoach. Er stellte die Nachwuchsförderung um und setzte sich für Kontinuität auf allen Verbandsebenen ein. Die Erfahrenen geben ihr Wissen, ihre Begeisterung und ihre Einstellung an die Jungen weiter.

Es waren Uruguayer, die Griezmann in San Sebastian und in Madrid ins Mannschaftsleben einführten, ihn spielerisch berieten, ihn zum Barbecue (Asado) einluden und ihm den Mate-Tee schmackhaft machten. Einander zu helfen ist ein uruguayisches Erfolgsrezept, das neben dem Platz gepflegt wird und positive Auswirkungen auf dem Rasen hat. Solidarität, Disziplin und Ordnung waren die Leitmotive des früheren Lehrers Tabarez: "Ich habe viel darüber nachgedacht, wie man Uruguay trotz der demografischen Limiten zurück auf die Weltkarte des Fussballs bringen kann. Und ich glaube, dass wir es in den letzten Jahren geschafft haben."

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SDA-ATS