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Handschlag in Quito: Die Gespräche zwischen der ELN-Guerilla und der kolumbianischen Regierung haben offiziell begonnen.

KEYSTONE/AP/DOLORES OCHOA

(sda-ats)

Die kolumbianische Regierung und die Rebellengruppe ELN haben am Dienstag (Ortszeit) in Ecuador offiziell ihre Friedensgespräche eingeleitet. Der ecuadorianische Regierungsvertreter Juan Meriguet erklärte die Gespräche während einer kurzen Zeremonie für eröffnet.

"Der Tisch für die Verhandlungen zwischen der nationalen Regierung der Republik Kolumbien und dem Nationalen Befreiungsheer steht in Ecuador", sagte Meriguet in Sangolquí in Anwesenheit der Chefunterhändler der kolumbianischen Regierung und der ELN, Juan Camilo Restrepo und Pablo Beltrán.

Beide Seiten strebten einen "vollständigen Frieden" an, sagte Meriguet. Restrepo sagte, es gebe die Chance, "diesem Krieg ein Ende zu machen".

Kolumbiens Präsident Manuel Santos war nicht anwesend und äusserte sich lediglich im Kurzmitteilungsdienst Twitter: "Der Dialog mit der ELN erfüllt uns mit Optimismus", erklärte er mehrere Stunden nach der Eröffnung der Gespräche. "Neue Generationen und die Opfer verdienen es, dass die Gespräche vorankommen und wir einen vollständigen Friedensschluss erreichen."

Die eigentlichen Verhandlungen sollten am Mittwoch hinter verschlossenen Türen beginnen. Ihnen waren dreijährige geheime Verhandlungen vorausgegangen. Ecuador ist einer der sechs Garanten des kolumbianischen Friedensprozesses.

Schwierige Verhandlungen

Beobachter rechnen damit, dass die Verhandlungen mit der ELN noch schwieriger werden dürften als mit der deutlich grösseren FARC-Guerilla. Spannungen wurden bereits während der Zeremonie spürbar, als Restrepo die ELN warnte: Es werde "sehr schwierig voranzukommen", wenn sie weiter Menschen entführe. Beltrán forderte die Regierung auf, "Verantwortung" für ihr Handeln während des Konflikts zu übernehmen. Die ELN sei dazu bereit.

Der Konfliktforscher Frédéric Massé von der Universität Externado de Colombia in Bogotá sagte, die ELN habe "fundamentalistischere Forderungen" als die FARC. "Sie wollen einen viel tiefgreifenderen sozialen Wandel", sagte Massé.

Kyle Johnson von der Nichtregierungsorganisation International Crisis Group sagte, anders als die FARC habe sich die ELN bislang nicht von der Praxis von Entführungen als Druckmittel losgesagt.

Der Weg für die Friedensgespräche war frei geworden, nachdem die ELN-Guerilla vergangene Woche einen in ihrer Gewalt befindlichen ehemaligen Abgeordneten freigelassen hatte. Die Regierung liess ihrerseits zwei Guerilleros aus Gesundheitsgründen frei und begnadigte zwei weitere, die jetzt an den Gesprächen teilnehmen. Am Montag entliess die ELN einen Soldaten aus der Gefangenschaft.

1964 zu Waffen gegriffen

Die ELN-Guerilla hatte ebenso wie die FARC 1964 im Kampf gegen Grossgrundbesitzer und die Regierung zu den Waffen gegriffen. Im Konflikt zwischen der Armee, ultrarechten Paramilitärs sowie den linken Rebellen wurden mehr als 260'000 Menschen getötet. Mehr als 60'000 Menschen gelten als vermisst, weitere 6,9 Millionen ergriffen angesichts der Gewalt die Flucht.

Im vergangenen November hatte die kolumbianische Regierung ein historisches Friedensabkommen mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) geschlossen. Für diese Aussöhnungspolitik wurde Santos der Friedensnobelpreis verliehen.

SDA-ATS

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