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Ein Telefongespräch mit missverständlichem Inhalt öffnet im Nationalteam eine weitere Baustelle. Nach Valon Behramis Rücktritt steht Nationalcoach Vladimir Petkovic vor einem schwierigen Herbst.

Vielleicht hat Valon Behrami am Montag zu schnell und zu impulsiv gehandelt, als er sich für den Rücktritt aus dem Schweizer Nationalteam entschieden und diesen Schritt via Twitter und in einem Interview mit dem Tessiner Fernsehen RSI öffentlich gemacht hat. Denn offenbar wollte Nationalcoach Vladimir Petkovic Behrami gar nicht ausmustern, sondern ihn bloss darüber informieren, dass er im kommenden halben Jahr jüngeren und neuen Spielern den Vorzug geben möchte.

Deshalb hatte Petkovic in den letzten Tagen nicht nur mit dem 33-jährigen Behrami, sondern auch mit Johan Djourou (31), Gelson Fernandes (31) und Blerim Dzemaili (32) das Gespräch gesucht. Er wird wohl auch noch Captain Stephan Lichtsteiner (34) kontaktieren. Einen Tag nach Behrami hat nun auch Fernandes den Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt; er allerdings ohne Polemik und mittels stilvoll abgefasstem Communiqué.

Zeitpunkt für Umbruch günstig

Wie sich die SFV-Auswahl in den Spielen im kommenden Herbst personell präsentiert, ist ebenso unklar wie zweitrangig. Der Zeitpunkt für einen (sanften) Umbruch ist an sich günstig. Es stehen bis zum Jahreswechsel bloss vier Spiele in der Nations League gegen Belgien und Island an sowie die beiden Testspiele gegen England und Katar. Der nächste Zusammenzug ist am 3. September. Um harte Währung beziehungsweise um die Qualifikation für die EM 2020 geht es erst ab dem kommenden März.

Weil sich für das paneuropäische Turnier in zwei Jahren 24 Teams qualifizieren - für die WM in Russland waren es bloss 13 Europäer -, der Weg an die EM also einfacher ist als an die WM, war es nie leichter, Neues und Neue auszuprobieren als in den kommenden Monaten. Das macht Petkovics Idee eigentlich verständlich und sinnvoll.

Doch nur eigentlich. Denn statt den bevorstehenden Prozess in Ruhe und in positiver Stimmung anzugehen, stehen dem Nationalteam und seinem Trainer ungemütliche Herbsttage bevor. Nach dem schwachen Auftritt im WM-Achtelfinal gegen Schweden und dem unglücklichen Interview von SFV-Generalsekretär Alex Miescher ("Doppelbürger") bringen nämlich die (Nicht-)Ausmusterung und der Rücktritt von Behrami die nächsten Problem hervor, welche die Nationalmannschaft womöglich noch lange mit sich trägt.

Mieschers unklare Position

Behramis Reaktion auf das Telefongespräch mit Petkovic lässt auf tiefe Risse innerhalb des Umfelds der Auswahl schliessen. Wenn der Mittelfeldspieler von einem "politischen Entscheid" spricht, rückt dies rasch den Generalsekretär Miescher in den Fokus. Dass der Tessiner Fussballer und der Solothurner FDP-Politiker in Russland aneinandergeraten waren, konnte auch der SFV nicht in Abrede stellen. Die angestossene Debatte um Doppelbürger hat Miescher weiter isoliert und seine Akzeptanz im Team weiter verringert. Im Prinzip ist er im Umfeld der Nationalmannschaft so nicht mehr tragbar.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA hatte SFV-Präsident Peter Gilliéron bestätigt, dass Rollen und Tätigkeitsfelder gewisser Mitarbeiter überprüft werden sollen. Aber: "Ich kann den Abklärungen nicht vorgreifen - wir werden sicher offen sein für alle Möglichkeiten, die infrage kommen. Es kann in alle Richtungen gehen.", so Gilliéron am 13. Juli. Geschehen ist seither aber nichts.

Wenn es um hochrangige Positionen im SFV geht, muss allerdings nicht nur Miescher, sondern auch Petkovic zum Thema werden. Sportlich hat der Nationalcoach in den letzten vier Jahren gute Arbeit abgeliefert und das Team trotz erneutem Scheitern in den Achtelfinals weiterentwickelt. Doch die kommunikativen Mängel, die ihn seit Amtsantritt begleiten und ihm zur Last gelegt werden, haben sich während den Tagen in Russland verschärft. Zum Abschneiden an der WM äusserte sich Petkovic zum Beispiel bis heute nicht.

Am Telefon statt im Grotto

Das Telefongespräch mit Behrami und dessen Folgen haben gezeigt, dass Petkovic sich und seine Ideen selbst einem langjährigen Weggefährten auch auf Italienisch, das er eigentlich fliessend spricht, offenbar nicht klar vermitteln konnte. Und es stellt sich die Frage: Weshalb fand dieses Gespräch am Telefon statt und nicht gemütlich in einem Grotto? Schliesslich wohnen beide im Tessin.

Damit hat Petkovic zugelassen, dass die Zukunft in der SFV-Auswahl bereits vorbelastet ist. Sollte nach Behrami und Fernandes auch Lichtsteiner den Rücktritt verkünden, wäre Granit Xhaka der ganz starke Mann im Nationalteam - auf und neben dem Platz. Behrami selbst hat dies im Tessiner Fernsehen so dargestellt. "Ich habe Xhaka angerufen und ihm gesagt: Ich hoffe, das, was ich dir beigebracht habe, hilft dir, ein echter Leader dieser Mannschaft zu sein. Und er hat mir geantwortet, ich sei immer sein Vorbild gewesen, wie sehr er mich mag und dass er immer für mich da sein wird."

Xhakas tiefe Verbundenheit mit Behrami. Dessen grosse Enttäuschung und Verärgerung über Petkovic. Das alles lässt nur einen Schluss zu: Petkovic steht vor den schwierigsten Monaten als Nationalcoach - auch wenn in der Agenda nur Nations League und Testspiele stehen.

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SDA-ATS