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Verzögerungen bei der Auslieferung drücken bei Airbus auf den Gewinn. (Archiv)

KEYSTONE/AP/FRED SCHEIBER

(sda-ats)

Bei Airbus gibt es einige Baustellen. Angesichts möglicher Korruptionsfälle bei Geschäften drohen Strafen. Dazu kommen Probleme bei neuen Flugzeugen.

Das Management um Vorstandschef Tom Enders räumte am Dienstag auch Unregelmässigkeiten in den USA bei Rüstungsgeschäften ein. Wie teuer diese und die schon gemeldeten Verstösse in Grossbritannien und Frankreich den Konzern zu stehen kommen könnten, wagte Finanzchef Harald Wilhelm nicht zu beziffern. Auch eine zeitliche Prognose für die Ermittlungen hält er für schwierig: "In solchen Fällen ist das eher eine Frage von Jahren als von Monaten."

Über Jahre ziehen sich bald auch die Triebwerksprobleme des modernisierten Verkaufsschlagers A320neo hin. Nach langwierigen Hitze- und Softwareproblemen hat das Triebwerkskonsortium um die United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney und den Münchner Hersteller MTU eine Aufholjagd zu bewältigen. Für die auf Spritsparen getrimmte Neuauflage des Mittelstreckenjets A320 hat Airbus tausende Bestellungen in den Büchern.

Laut Finanzchef Wilhelm wird der Hersteller die für 2017 geplante Auslieferung von 200 A320neo-Maschinen jedoch leicht verfehlen. Auch die insgesamt angepeilte Marke von 720 Verkehrsflugzeug-Auslieferungen wackelt. Damit bliebe Airbus über 40 Exemplare hinter seinem US-Rivalen, dem weltgrössten Flugzeugbauer Boeing, zurück.

Allerdings baut Airbus die A320neo-Produktion in einem boomenden Markt weiter aus, und vom Grossraumjet A350 sollen ab 2019 jährlich rund 120 Exemplare pro Jahr fertig werden. Zudem übernimmt Airbus die Mehrheit am C-Serie-Mittelstreckenjet-Programm des kriselnden Flugzeugbauers Bombardier und erweitert seine Produktpalette damit um zwei kleinere Flugzeugtypen. In den ersten neun Monaten des Jahres lieferte Airbus 454 Verkehrsflugzeuge aus, acht weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im dritten Quartal stieg der Umsatz von Airbus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. Der um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis (Ebit) gab um vier Prozent auf 697 Millionen Euro nach. Der Gewinn unter dem Strich fiel fast sieben Mal so hoch aus wie ein Jahr zuvor, als eine hohe Steuerlast am Ergebnis gezehrt hatte.

Für das laufende Jahr hält die Airbus-Führung an ihrer Prognose fest, den operativen Gewinn und den Gewinn je Aktie im mittleren einstelligen Prozentbereich zu steigern. Sondereffekte sowie der Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen sind dabei allerdings herausgerechnet. Auch mögliche Strafzahlungen, die dem Konzern infolge der Korruptions-Ermittlungen in Grossbritannien und Frankreich drohen, sind darin nicht enthalten.

Bevor der Konzern Geld zurückstelle, müsse er die Wahrscheinlichkeit und die Höhe einer solchen Strafe einschätzen können, sagte Finanzchef Wilhelm. Im dritten Quartal meldete Airbus den Behörden in den USA nach eigenen Angaben "Ungenauigkeiten bei Anträgen" im internationalen Waffenhandel, die der Konzern beim US-Aussenministerium eingereicht hatte.

Die schon bekannten Vorwürfe in Grossbritannien und Frankreich betreffen nach Angaben von August 2016 Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit Beratern einer "dritten Partei". Ermittler untersuchen zudem die Umstände des Verkaufs von Eurofighter-Kampfjets an Österreich. Vor wenigen Tagen wies Konzernchef Enders den Verdacht zurück, es gebe bei Airbus eine schwarze Kasse.

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