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Die Schweizer Märchenkönigin Trudi Gerster ist tot. Sie starb am Samstag im Alter von 93 Jahren in Basel, wie ihre Familie bestätigte. Gerster sei friedlich im Kreise ihrer Familie eingeschlafen.

Mit ihren Märchen habe sie die Herzen der Kinder in der gesamten Deutschschweiz erreicht, erklärte Basels Regierungspräsident Guy Morin am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Er würdigte zudem ihren politischen Einsatz für Natur- und Heimatschutz.

Gersters Karriere als Märchenerzählerin begann an der Landesausstellung 1939, wo sie zu einer der "Hauptattraktionen" wurde, wie es hiess. Auftritte absolvierte sie bis ins hohe Alter.

Trudi Gerster habe über eine "unerschöpfliche Kreatitivität" verfügt und sei "stets modern geblieben", obwohl sich in den vergangenen Jahrzehnten im Unterhaltungsbereich so viel verändert habe, sagte die Basler Kulturunternehmerin Caroline Rasser auf Anfrage: "Sie war ein Ausnahmetalent, das Generationen prägte."

Als "Märlitante" empfinde sie sich keineswegs, stellte Gerster im Film "Die Märchenkönigin" von Barbara Zürcher und Angelo A. Lüdin aus dem Jahre 2009 klar - und erklärte sich zur "Märlikönigin".

Der Komiker Viktor Giacobbo nannte Gerster in dem Film das "Synonym für Märchen" in der Deutschschweiz schlechthin. Eine von Gerster einst erzählte Geschichte könne er noch immer auswendig. Der Sänger Michael von der Heide unterstrich den Berufsstolz der Erzählerin.

Pionierrolle in der Politik

Die Liebe zu Geschichten war der Tochter eines politisch engagierten St. Galler Schriftsetzers und Bücherfreundes quasi in die Wiege gelegt. Von Kindheit an war Trudi bei Familie und Freunden der Star, wie ihre Schwester berichtete.

Nach dem erfolgreichen Auftritt an der Landi kehrt Gerster für einige Jahre in den Schauspielerberuf zurück. Doch als sie Mutter wurde, konzentrierte sie sich aufs Erzählen. Mehrere ihrer Tonträger, bespielsweise das Dialekt-Märchen "D' Regetrude" oder Sammlungen von Schweizer Märchen, erhielten Auszeichungen.

Ab 1968 engagierte sich Gerster auch politisch. Als eine der ersten Frauen wurde sie in ein schweizerisches Parlament gewählt, in den Grossen Rat von Basel-Stadt. Als Parteilose und später als Vertreterin des Landesrings der Unabhängigen setzte sie sich für Umwelt, Frauenrechte und Kulturschaffende ein.

Urgrossmutter geworden

Gerster war zweimal verheiratet. Aus ihrer ersten Ehe gingen zwei Kinder hervor. Ihr Sohn Andreas Jenny arbeitete als Graphiker und Regisseur während Jahrzehnten mit ihr zusammen.

Noch 2011 erschienen die "Säuli-Geschichten", die Gerster offenbar besonders gern erzählte, in einem von Jenny illustrierten Buch mit CD. Der Verlag prüft eine Nachauflage. Ebenfalls 2011 konnte sich Gerster über die Geburt ihres ersten Urenkels freuen.

Der Film "Die Märchenkönigin" endet mit einer Sequenz, in der Gerster auf die Frage nach ihrer Jenseitsvorstellung antwortet. "Ich wünschte mir, dass ich wirklich glauben könnte, dass es weitergeht. Um mir das wirklich vorstellen zu können, müsste ich weise sein." Auch wenn sie abstritt, weise zu sein - sie wirkte so.

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SDA-ATS