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Soziophysiker der ETH Zürich haben untersucht, warum die Loveparade in Duisburg vor zwei Jahren in einer Katastrophe endete. Sie kommen zum Schluss, dass die Tragödie entgegen einer weitverbreiteten Vermutung nicht auf eine Massenpanik zurückgeht.

Am 24. Juli 2010 endete eine fröhliche Loveparade in Duisburg in einer Katastrophe: Vor den Eingängen zum Gelände - das maximal für 250'000 Besucher ausgelegt war - und auf der Zugangsrampe kam es zum Gedränge. 21 Menschen sind darin umgekommen, über 500 wurden verletzt.

Dirk Helbing, Professor für Soziologie an der ETH Zürich, und sein Kollege Pratik Mukerji haben die Ursachen unabhängig von der Strafverfolgungsbehörde untersucht. Dazu werteten sie frei zugängliches Datenmaterial aus, insbesondere auf der Internet-Plattform Youtube veröffentlichte Amateurvideos von Augenzeugen.

"In den Filmen sieht man, dass die Ursache der Katastrophe keine 'wild gewordene' Menschenmenge war", sagt Helbing, der die Resultate nun im Fachblatt "EPJ Data Science" veröffentlicht, am Montag in einer Mitteilung der ETH Zürich. Das Verhalten der Besucher sei überwiegend kontrolliert und nicht von Panik getrieben gewesen.

Beben in der Menschenmasse

Laut Helbing sei schlicht die Dichte der Besucher im Eingangsbereich des Festivalgeländes zu gross gewesen. Wenn Menschen zu eng beieinander stehen, werden alle Bewegungen durch die ganze Menge übertragen. Stolpert jemand, kann es zum Dominoeffekt kommen: Menschen fallen übereinander und bekommen folglich oft nicht genug Luft.

Der Wissenschaftler nennt dies "Massenturbulenz" oder "Massenbeben". "In den Videos sieht man, dass der ganze untere Bereich der Eingangsrampe zum Festivalgelände davon betroffen war", sagt er.

Die verbreitete Vorstellung solcher Katastrophen sei, dass die Menschenmenge aus irgendeinem Grund in Panik gerät und in eine Richtung drängt, wobei Leute zerquetscht werden, sagt Helbing. Solche Fälle von Massenpanik seien aber sehr selten. "Die Ursache der meisten Katastrophen mit Menschenmassen sind in der Physik zu suchen und nicht in der Psychologie."

SDA-ATS