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"Milchbusters": Bauern forderten Ende April in Bern fairen Milchpreis zur Sicherung ihrer Existenz - "sonst bläst es sie weg". (Archiv).

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

(sda-ats)

Der Streit zwischen Milchbauern und Nahrungsmittelbranche sowie Detailhandel um den Milchpreis spitzt sich zu: Die Milchproduzenten bezeichneten den Entscheid der Branchenorganisation Milch (BO Milch), den Milchpreis erneut nicht zu erhöhen, als rücksichtslos.

Am Mittwochabend hatte der Vorstand der BO Milch entschieden, den A-Richtpreis für das dritte Quartal 2017 weiterhin bei 65 Rappen pro Kilogramm Milch zu belassen. Die Milchbauern, die in der BO Milch von den Schweizer Milchproduzenten (SMP) vertreten werden, hatten beantragt, den A-Richtpreis um 3 Rappen zu erhöhen. Sie waren aber mit ihrem Antrag unterlegen.

Die Branche habe damit erneut "keine Rücksicht auf die Milchproduzenten" genommen, titelte der SMP am Freitag seine Medienmitteilung zum Thema. Die Branche habe den Antrag des SMP "abgeschmettert", obwohl die Marktlage eine Preiserhöhung rechtfertigen würde. Die Milchmengen seien seit Anfang Jahr deutlich rückläufig.

Die Molkereimilchproduzenten stünden enorm unter Druck. Viele lebten "von der Substanz und sind auf eine Besserung angewiesen", schreibt der SMP. Weiter kritisierte der SMP, dass viele Molkereien sich nicht an den Richtpreis halten, sondern noch darunter bleiben. Wenigstens müsse der Richtpreis nun "konsequent" ausbezahlt werden, verlangten die Bauern.

Coop zahlt mehr

Von der Schelte nehmen die Milchbauern einzig Coop aus. Der Detailhändler habe ein "starkes Zeichen" gesetzt, weil er sich unabhängig von der BO Milch entschieden habe, den Milchpreis für seine Produzenten zu erhöhen.

Auch Coop ist bei BO Milch mit dabei. "Coop bekennt sich zu einem fairen Milchpreis und bezahlt ihren Milchbauern ab 1. Juli 2017 3 Rappen mehr", teilte Coop mit.

Coop beziehe die in seinen Läden verkaufte Milch von der Milchverarbeitungsindustrie und habe deswegen keine direkten Geschäftsbeziehungen zu den Milchbauern. Doch da "weit über die Hälfte der Milchprodukte Eigenmarken" seien, könne Coop bei diesen den Richtpreis von 65 Rappen über ihre Geschäftspartner an die Milchproduzenten zahlen. Die Verkaufspreise der Eigenmarken würden im übrigen deswegen nicht erhöht.

Druck auf Verarbeiter

"Nächste Woche holen wir unsere wichtigsten Eigenmarken-Lieferanten an den runden Tisch und dann schauen wir ganz konkret, wie wir sicherstellen können, dass unsere Bauern den Richtpreis pro Liter auch wirklich erhalten", schrieb Coop-Sprecher Urs Meier in einer Stellungnahme.

Der Detailhändler forderte von der verarbeitenden Industrie, dass diese ebenfalls die Milchbauern besser stellt und den Richtpreis um 3 Rappen erhöht.

Migros zieht nicht mit

Migros wird es Coop nicht gleichtun. Die Migros habe sich "in der Vergangenheit immer zu den Richtpreisen der BO Milch loyal gezeigt und wird dies auch in der jetzigen Situation und in der Zukunft" tun, schrieb die Migros am Freitag in einer Stellungnahme.

"Daher wird die Migros Ihre Preise nicht anpassen, sondern bezahlt nach wie vor den vollumfänglichen, gültigen A-Milch-Richtpreis." Weiter hiess es, dass die Migros über ihren eigenen Milchverarbeiter Elsa den vollen A-Richtpreis an die Bauern bezahle "ohne dabei ungerechtfertigte Abzüge zu machen".

Angst vor dem Ausland

Zur Abstimmung im Vorstand der BO Milch wollte die Migros sich nicht äussern. Man habe vereinbart, dass das Abstimmungsverhalten des Vorstandes nicht kommentiert werde. Daran halte sich die Migros.

Der Vorstand der BO Milch hatte am Mittwochabend seinen Entscheid, alles beim Alten zu belassen mit der Furcht begründet, weiter Marktanteile gegenüber Importprodukten und wegen des Einkaufstourismus zu verlieren.

SDA-ATS

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