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Mindestens 785 misshandelte Kinder im letzten Jahr in der Schweiz

Dieser Inhalt wurde am 10. Mai 2010 - 14:52 publiziert
(Keystone-SDA)

Baden AG - Erstmals bringt eine Statistik etwas Licht ins Ausmass der Kindesmisshandlungen in der Schweiz. Mindestens 785 Kinder mussten 2009 in Kliniken wegen Misshandlungen oder Vernachlässigung behandelt werden. Die Täter sind zu 80 Prozent Familienangehörige.
Die Kindesmisshandlung sei eine häufige Diagnose an Kinderkliniken oder Kinderabteilungen, teilte die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) mit. Die Diagnose der Kindesmisshandlung sei etwa vier Mal häufiger als neue Fälle von Krebserkrankungen bei Kindern.
Knapp 30 Prozent der 785 Kinder mussten von den Ärzten wegen körperlicher Misshandlungen behandelt werden. Als Gründe für Behandlungen folgen sexueller Missbrauch (28 Prozent), Vernachlässigung (27 Prozent) und psychische Misshandlung (15 Prozent).
Die Hälfte der betroffenen Kinder war jünger als sechs Jahre. Jedes fünfte Kind war noch kein Jahr alt. 59 Prozent der Kinder waren Mädchen, 41 Prozent Knaben. Je die Hälfte der jungen Opfer musste sich stationär oder ambulant behandeln lassen.
Die Statistik der SPG-Fachgruppe Kinderschutz basiert auf den freiwilligen Angaben von 14 der 30 Schweizer Institutionen. Mit zwei Ausnahmen machten alle Kliniken in der Deutschschweiz mit, ebenso die Kliniken im Kanton Tessin.
Aus der Westschweiz flossen einzig die Angaben von Genf in die Statistik ein. Die 785 Fälle dürften jedoch einen grossen Teil der Kinderschutzfälle an den Kinderkliniken darstellen, hält Markus Wopmann fest. Er ist Leiter der SPG-Fachgruppe und Chefarzt am Kantonsspital Baden AG.
Vier von fünf Täterinnen und Tätern sind Familienangehörige, wie aus der Statistik hervorgeht. Weitere 14 Prozent der Täter sind Bekannte des Kindes, während Fremdtäter einen Anteil von 6,7 Prozent ausmachen.
Männer sind häufiger als Frauen für eine Kindesmisshandlung verantwortlich. In jedem zweiten Fall wird die Verantwortung einem Mann zugeschrieben, in knapp jedem dritten Fall einer Frau.
In einem von fünf Fällen sind zugleich Männer und Frauen - meistens die Eltern - verantwortlich. Zehn Prozent der Täter oder der Täterinnen sind jünger als 18 Jahre.

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