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Ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss hat Lara Gut im olympischen Super-G die Chance auf Gold. Nach schwierigen Monaten scheint sie bereit.

Sie wirkte gelöst, ja befreit. Am letzten Samstag war Lara Gut zum ersten Mal nach der Ausstrahlung des Films, den der Tessiner Regisseur Niccolo Castelli über sie drehte, vor die Medien getreten. Sie habe das Endprodukt des mehrjährigen Filmprojekts noch nicht gesehen, sagte sie. Und doch schien es, als sei sie von einer Last befreit.

"Ich wollte mich öffnen", erklärte die Tessinerin. Tatsächlich gab der Film neue, tiefere Einblicke in die Welt der Lara Gut. Die 26-Jährige zeigte sich im Training, nach den Rennen, bei der Reha nach dem an der letzten WM in St. Moritz erlittenen Kreuzbandriss. Als einer von ganz wenigen durfte Castelli in Lara Guts Welt eintauchen. Es entstand ein Film, der die bisweilen isoliert wirkende Tessinerin von einer ganz anderen, offeneren Seite zeigt.

Doch ein Eindruck ist geblieben - vielleicht, weil sie auch in diesem Film Grenzen zog: der Eindruck, dass sich in Lara Guts Kosmos alles ums Skifahren und um das Erfolgreichsein dreht.

Alles für den Erfolg

Für den maximalen Erfolg trifft sie unpopuläre Entscheide. Sich abzugrenzen ist einer davon. So ist sie im Swiss-Ski-Team bisweilen mehr Einzelkämpferin als Teamplayerin. Und so lässt sie sich von ihrer privaten Medienbetreuerin von der Öffentlichkeit abschirmen, wenn sie und ihr Umfeld es für notwendig halten. Der Erfolg gibt ihr das Recht dazu.

Im Team, sagt sie, ist die Sprachbarriere mit ein Grund für Alleingänge. Für den spärlichen Dialog mit den Medienschaffenden, so vermittelt der Film, dürfte der Energiehaushalt ausschlaggebend sein. Es wirkt, als koste sie die Öffentlichkeitsarbeit über Gebühr Energie. Auch auf Anraten ihres Umfelds reduzierte sie das mediale Programm nach ihrer Verletzung auf ein Minimum.

Lara Gut bewältigt die Arbeit neben der Piste nicht mit der Gelassenheit eines Roger Federer, der gefeit davor ist, der Journaille unerwünschte Storys zu liefern. Auch weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, redet sie nicht mit der Lockerheit und Leichtigkeit, wie sie Rennen fährt und Federer Tennis spielt. Dass daraus ein falscher Eindruck entsteht, stört sie zwar, das zu ändern, kostet aber (zu) viel Kraft.

Nach aussen stets im Tunnel

So geht Lara Gut in den Ziel-Interviews den Weg des geringsten Risikos und Aufwands, beantwortet die meisten Fragen mit Floskeln wie "Schnell fahren ist mein Ziel", "Ich werde Gas geben", "Ich versuche, die Ski laufen zu lassen". Den Tunnel, in den sie sich begibt, um Rennen zu gewinnen, verlässt sie nicht. Zu gross scheint ihr die Gefahr, Nebenschauplätze aufzutun und aus dem Tunnel gezerrt zu werden. Anders als etwa Lindsey Vonn lassen sie unerwünschte Schlagzeilen nicht kalt. Es gelingt ihr nicht wie der Amerikanerin, darüber zu stehen.

Lara Gut hat Grund dazu, sich aufs Wesentliche zu fokussieren. Als sie sich in St. Moritz beim Einfahren zum Slalom der WM-Kombination das Kreuzband riss, befand sie sich nahe an einem Burnout, wie sie später andeutete. Die Verletzung sei befreiend gewesen, erzählt sie im Film, als sei eine tonnenschwere Last abgefallen. Zum ersten Mal seit langem funktionierte sie nicht mehr bloss unter dem immensen Druck einer Gesamtweltcupsiegerin, von der Siege, WM-Titel und spannende Interviews erwartet werden.

Während ihrer Verletzung kapselte sie sich ab und tankte Energie. Das Feuer kehrte zurück. Nun fährt sie wieder mit der kindlichen Freude früherer Tage. Ein Jahr nach ihrer Verletzung gehört sie im Super-G zu den ersten Anwärterinnen auf den Sieg. Geht die Rechnung auf, gewinnt sie am Samstag in ihrer Lieblingsdisziplin ihr erstes Olympia-Gold. Wenn nicht, wird sie im ersten Moment wohl enttäuscht sein und Fragen abblocken. Aber eines wird sie nicht: zu viel Energie verpuffen und die Freude verlieren. Lara Gut hat ihre Lehren gezogen.

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SDA-ATS