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Prall gefüllte Euter sind an Milchviehausstellungen nichts aussergewöhnliches. Doch für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Ausstellungskühe ist dies ein Problem. (Archivbild)

KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

(sda-ats)

Die Bilder von Kühen mit übervollen Eutern an Ausstellungen sollen bald der Vergangenheit angehören. Die Rinderzüchter gehen nun mit Ultraschall-Untersuchungen an grossen Milchviehschauen gegen diese Praxis vor.

Die Untersuchungen werden neu im Ausstellungsreglement vorgeschrieben, wie die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) am Montag mitteilte. "Die Ultraschall-Untersuchung lässt erstmals eine objektive Bewertung der Euterbefüllung zu", sagte Markus Gerber von der ASR auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Ein Forscher der Universität Bern hat die Ultraschall-Methode dieses Jahr in einer Studie getestet. Adrian Steiner, Professor am Departement für klinische Veterinärmedizin an der Universität Bern, untersuchte an vier Milchviehausstellungen insgesamt 321 top-rangierte Kühe, wie die Universität Bern mitteilte.

Objektiv und praktikabel

"Wir konnten erstmals ein standardisiertes Scoring-System entwickeln, das es erlaubt, verschiedene Schweregrade der Euterüberladung zu erkennen", sagte Steiner auf Anfrage.

Dies sei eine praktikable Lösung, um an Ausstellungen stichprobenartig den Zustand der Euter objektiv einzuschätzen. Allerdings sei es wichtig, dass die Untersuchung von geschulten Veterinären vorgenommen werde, die in der Erkennung von Euterödemen geschult seien.

Übervolle Euter sind für Kühe nicht nur unangenehm, sie gefährden auch deren Gesundheit. Steiner bestätigte mit seiner Untersuchung zudem, dass Kühe mit übervollen Eutern an Milchviehausstellungen keine Seltenheit sind. So hatten 72 Tiere (23 Prozent) ein Euterödem gebildet.

An der BRUNA 2017, an der die Organisatoren den maximalen Zeitraum zwischen dem letzten Melken und der Vorführung der Kühe im Ring vorgegeben hatten, reduzierte sich die Anzahl Kühe mit Anzeichen von überladenem Euter, wie es weiter heisst.

Bei 29 untersuchten Kühen (16 Prozent) fanden sich zudem Entzündungshemmer im Blut. Dies lasse den Rückschluss auf eine Behandlung am Tag oder in den Tagen vor der Ausstellung zu. Bei 263 Kühen (86 Prozent) waren die Zitzen nach Angaben der Tierhalter mit Kollodium verklebt, damit die Milch während der Präsentation nicht aus den Zitzen tropft. Diese Praxis ist gesetzlich nicht geregelt.

Die Befunde der Untersuchung dürften voraussichtlich im Frühling 2018 in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht werden.

Tierwohl im Vordergrund

Die Änderungen im Ausstellungsreglement sollen auf Anfang November wirksam werden, wie Gerber weiter sagte. Eine Herausforderung sei die zeitnahe Umsetzung, weil es noch nicht genügend Tierärzte gibt, die für die Ultraschall-Untersuchung geschult sind.

Die erste grössere Milchviehschau, für die die neuen Regeln gelten, wird die Swiss EXPO Mitte Januar in Lausanne sein. "Doch auch kleinere, regionale Veranstaltungen sind auf dem Radar", so Gerber. Dort können etwa unangemeldete Stichprobenkontrollen durchgeführt werden.

Stellen die Tierärztinnen und Tierärzte bei Ausstellungskühen übervolle Euter fest, können sie je nach Schweregrad Sanktionen aussprechen. Als Sofortmassnahme ist laut Gerber etwa denkbar, dass zum Tierwohl das sofortige Melken angeordnet wird. In gravierenden Fällen müssen Tierhalter auch mit der Deklassierung ihrer Kühe rechnen.

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SDA-ATS