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Mladic bezeichnet sich vor UNO-Tribunal als schwer krank

Der mutmassliche bosnisch-serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist am Freitag zur Anklageverlesung erstmals vor dem Haager UNO-Tribunal erschienen. Gegenüber dem Gericht gab er an, er sei schwer krank und brauche mehr Zeit, um die Anklagepunkte zu verstehen.

Mladic machte zunächst keine weiteren Angaben zu seiner Krankheit. Erst unter Ausschluss der Öffentlichkeit berichtete er den Richtern über seinen Gesundheitszustand.

In barschem Ton hatte er zuvor dem Vorsitzenden Richter, dem Niederländer Alphons Orie, beschieden, er wolle "nicht einen einzigen Buchstaben oder Satz" von seiner Anklage im Gericht hören. Orie begann dennoch mit dem Verlesen der Anklage.

Mladic wird darin vorgeworfen, die schlimmsten Gräueltaten des Bosnienkrieges mit 100'000 Toten organisiert zu haben. Als ihm die Verantwortung für das Massaker von Srebrenica von 1995 zur Last gelegt wurde, bestritt er den Vorwurf mit einem Kopfschütteln.

Orie führte einzelne Verbrechen wie "Vertreibung und Mord" an. Er beschrieb von serbischen Verbänden angelegte Massengräber, Deportationen und Zwangslager. Mladic werde sich für "Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Verstoss gegen die Gesetze und Regeln der Kriegsführung" verantworten müssen, sagte der Richter.

Mladic: "Volk und Land verteidigt"

Mladic wollte sich auf Aufforderung nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äussern. Er sprach von "widerlichen Anschuldigungen". "Ich muss das gut durchlesen", sagte Mladic. Es handele sich um "monströse Worte, von denen ich noch nie gehört habe".

Der Angeklagte wiederholte während der Anhörung immer wieder: "Ich habe mein Volk und mein Land verteidigt". "Ich habe keine Muslime und keine Kroaten umgebracht", sagte er ebenfalls.

Mladic hat nun 30 Tage Zeit habe, um sich für schuldig oder nicht schuldig zu erklären. Bezieht er zu den Vorwürfen bis zum 4. Juli nicht Stellung, wertet das Gericht dies als Plädieren auf nicht schuldig. Mladic kündigte aber an, dass er mehr Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung brauchen werde.

Die erste Anhörung in Den Haag wurde von einem grossen Medieninteresse begleitet. Bereits am Donnerstag hatten Journalisten aus aller Welt Stellung vor dem Gericht bezogen. Um zudem einen Andrang von Besuchern zu bewältigen, mietete das Gericht einen Raum in einem benachbarten Kongresszentrum und stellte dort Videoleinwände für eine Übertragung der Anhörung auf.

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