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Nach dem Doppelanschlag in Libanon hat das Land am Samstag mit einem nationalen Trauertag der zahlreichen Todesopfer gedacht. Einige Familien hatten sich angesichts der schlimm zugerichteten Leichen für eine eilige Beerdigung in der Nacht entschlossen.

Andere Opfer wurden in der nördlichen Hafenstadt Tripoli nach dem Mittagsgebet beigesetzt. Dort waren bei zwei Autobombenanschlägen am Freitag mindestens 45 Menschen getötet worden.

Der scheidende libanesische Regierungschef Nadschib Mikati hatte den Samstag als "Zeichen der Solidarität mit den Familien der Opfer und der Ablehnung von Terrorismus" zum nationalen Trauertag erklärt.

Im sunnitisch geprägten Tripoli blieben Geschäfte geschlossen, Autos waren kaum unterwegs. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden deutlich verschärft, Soldaten patrouillierten zu Fuss und in Panzerfahrzeugen auf den Strassen. Vor politischen und religiösen Einrichtungen standen Bewaffnete in Zivil.

Am Ortseingang von Tripoli entdeckten Sicherheitskräfte am Nachmittag eine weitere Bombe, ohne dass weitere Details bekannt wurden. Die Anschläge vom Freitag hatten sich nahe zwei sunnitischer Moscheen ereignet.

Schlimmster Anschlag seit 1990

Einige Opfer wurden durch die gewaltige Explosion regelrecht eingeäschert oder bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sodass die Sicherheitskräfte noch nicht alle identifizieren konnten. Über die mindestens 45 Toten hinaus wurden nach Angaben des Roten Kreuzes vom Samstag noch rund 500 weitere Menschen verletzt.

"Als ich in den Hof der Moschee flüchtete, sah ich viele Leichen", schilderte der Familienvater Said Ebous die Sekunden nach dem Anschlag: "Da wusste ich, dass meine Kinder tot sind."

Ebous verlor eine siebenjährige Tochter und sowie seine vier und fünf Jahre alten Söhne: "Man hat mich in ein nahe gelegenes Haus gebracht und mir dort gesagt: Deine Kinder sind im Paradies."

Für Libanon waren es die schlimmsten Anschläge seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1990. International wurde das Doppelattentat scharf verurteilt. Unklar blieb die Frage nach den Tätern.

Sunnitischer Geistlicher festgenommen

Die Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) machte die schiitische Hisbollah-Miliz in Libanon für das Blutvergiessen verantwortlich und kündigte an, sich "im Namen der Sunniten" zu rächen.

Die Hisbollah, die nach der Explosion einer Autobombe mit 24 Todesopfern in einer ihrer Hochburgen Mitte August Rache geschworen hatte, verurteilte allerdings die Anschläge vom Freitag. Die Polizei nahm einen sunnitischen Geistlichen fest.

Scheich Ahmed al-Gharib sei am Freitag vor einer der sunnitischen Moscheen gesehen worden, vor denen die Autobomben detonierten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur NNA am Samstag. Das belegten Videoaufnahmen vom Tatort. Bei einer Razzia seien in seinem Haus mehrere Schusswaffen und Handgranaten gefunden worden.

In Tripoli gibt es immer wieder blutige Konflikte zwischen Sunniten, die mehrheitlich die Aufständischen im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien unterstützen, und Alawiten, die wie die Hisbollah auf Seiten der syrischen Regierung stehen.

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SDA-ATS