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Im langjährigen Rechtsstreit der Deutschen Bank mit den Kirch-Erben gerät jetzt auch Co-Chef Jürgen Fitschen ins Visier der Staatsanwaltschaft. Fitschen wird des versuchten Prozessbetrugs verdächtigt und deshalb als Beschuldigter geführt.

Ein Sprecher der Münchner Strafverfolger bestätigte am Montagabend einen entsprechenden Bericht von "Spiegel Online". Der Banker, dessen Vertrag gerade erst bis 2017 verlängert worden ist, steht wie Vorgänger Josef Ackermann im Verdacht, im Schadenersatzprozess der Kirch-Erben gegen die Bank nicht die Wahrheit gesagt zu haben.

Der 65-Jährige hat bereits ein anderes Ermittlungsverfahren am Hals - gegen ihn wird in Frankfurt wegen Umsatzsteuerhinterziehung ermittelt. Die Bank weist die Vorwürfe zurück.

Das Oberlandesgericht München hatte der Bank im Dezember eine Mitverantwortung für die Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch im Jahr 2002 zugewiesen. Das Institut wurde deshalb zu Schadenersatz verurteilt, um dessen Höhe beide Seiten in einem weiteren Prozess ringen. Vergleichsverhandlungen sind wiederholt gescheitert.

Zweifelhafte Angaben im Prozess

In Finanzkreisen wird ein neuer Anlauf im nächsten Jahr für möglich gehalten. In dem damaligen Verfahren hatte das Oberlandesgericht auch deutlich gemacht, dass es den Verantwortlichen der Bank ihre Darstellung in dem Prozess nicht abkaufte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb bereits seit einiger Zeit wegen versuchten Prozessbetrugs gegen Ackermann, dessen Vorgänger Rolf Breuer und weitere Personen. Die Ermittler halten mündliche und schriftliche Angaben in dem Prozess für zweifelhaft.

Zu denen, die es vor Gericht mit der Wahrheit nicht so genau genommen haben sollen, zählt nun auch Fitschen. "Unsere Ermittlungen legen den Verdacht nahe, dass er eine Mitverantwortung dafür hat", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Behörde gebe Fitschens Verteidigern derzeit Gelegenheit zur Akteneinsicht.

Flut von Prozessen und Klagen

Fitschen hatte 2012 zusammen mit seinem Kollegen Anshu Jain Ackermann an der Führungsspitze beerbt. Der Skandal um Steuerbetrug mit CO2-Verschmutzungsrechten erreichte ihn Ende 2012.

Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu den 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen schwerer Steuerhinterziehung Ermittlungen aufnahm.

Weltweit muss sich die Deutsche Bank einer Flut von Prozessen und Klagen stellen. Neben dem Kirch-Verfahren geht es unter anderem um mutmassliche Zinsmanipulationen, Bilanztricksereien und fragwürdige Hypothekengeschäfte in den USA. Insgesamt hat das Geldhaus mehr als vier Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt.

SDA-ATS