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Während in Europa gerade ohne grosse Diskussion neue Fünf-Euro-Scheine ausgegeben werden, ist die Banknoten-Frage in Israel zum Politikum geworden. Das Land ist tief gespalten in der Frage, welche Persönlichkeiten die neuen Geldscheine zieren dürfen. Denn alle Gesichter auf der neuen Schekel-Serie stammen von Juden aus Mittel- oder Osteuropa. Die orientalischen Juden, deren Vorfahren aus Asien oder Nordafrika eingewandert sind, fühlen sich ausgegrenzt.

Auf den bisherigen Schekelnoten, die es in vier Stückelungen gibt, waren fast ausschliesslich Staatsmänner zu sehen und mit der ehemaligen Ministerpräsidentin Golda Meir eine Frau.

Die Kommission, die im Auftrag der Notenbank auswählt, welche Köpfe die neuen Zahlungsmittel zieren dürfen, sah sich zunächst auf der sicheren Seite, als sie Literaten des 20. Jahrhunderts als Rahmenthema wählte. Und die Hälfte der vier neuen Noten sollen nun auch Frauen zieren.

Diese Woche gab das Regierungskabinett grünes Licht für das vorgeschlagene Poeten-Quartett: Schaul Tschernikowski auf dem 50-Schekel-Schein und Nathan Alterman auf der 200-Schekel-Note sollen ab Herbst als Zahlungsmittel dienen.

Die Dichterin Rachel Bluwstein (20 Schekel) und die Schriftstellerin Leah Goldberg auf dem neuen Hunderter werden in einem Jahr in Umlauf gebracht. Die aktuellen Noten sind dann nur noch bis 2017 gültig.

Schas-Partei will Kabinettsbeschluss zu Fall bringen

Doch die Kommission hatte die Währungsrechnung ohne die Schas-Partei gemacht, die traditionell die Ultraorthodoxen mit orientalischen Wurzeln vertritt. Denn alle vier posthum geehrten Literaten sind wie gehabt Aschkenasim, stammen also aus Mittel- oder Osteuropa. Mizrachim mit Wurzeln in Asien oder Nordafrika sowie sephardische Juden, deren Vorfahren auf der iberischen Halbinsel lebten, sind nicht vertreten.

Arje Deri, wortgewaltiger Schas-Chef in der Knesset, wetterte: "Geld mit dem Bild eines bekannten Mizrachi ist doch nicht weniger wert." Er will den Kabinettsbeschluss im Parlament noch zu Fall bringen und kann nicht glauben, dass keine Dichtergrösse unter den orientalischen Juden zu finden war.

Die Auswahlkommission wehrt sich. Ihr Vorsitzender Jaakow Turkel versichert am Dienstag im Massenblatt "Jedioth Ahronot", die Vorwürfe seien unbegründet und albern: "Wir haben die Leute doch nicht nach ethnischen Aspekten beurteilt. Das ist doch 2013 kein Thema mehr."

Und seine Kommissionskollegin Sari Raz, Journalistin beim öffentlichen TV-Sender Channel One, schürte das Feuer noch, indem sie dem Onlineportal "Walla" sagte, sie kenne "halt keinen prominenten Mizrachi-Poeten des 20. Jahrhunderts, der im Schulunterricht vorkomme. Vielleicht kommen auf die nächsten Scheine dann fünf Mizrachim."

Doppeltes Fettnäpfchen

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich flexibel und versprach, gleich auf der nächsten neu zu vergebenden Banknote solle ein Jude mit orientalischen Wurzeln sein, nämlich der "brillante Dichter Rabbi Jehuda Halevi, der von grosser Bedeutung für unser Kulturerbe ist." Abgesehen davon, dass die nächsten neuen Scheine erst in zehn bis 15 Jahren in Umlauf kommen, musste sich der Regierungschef belehren lassen, dass die Dinge so einfach nicht sind.

"Dieses Gerede, Halevi als Vertreter der Mizrachim auf eine Banknote zu drucken ist Unsinn", sagt der Mittelalterforscher Haviva Jischai von der Literatur-Fakultät der Ben-Gurion-Universität in Beerscheba. Erstens sei dieser ein Sepharde, habe also im heutigen Spanien gelebt. Und zweitens "gab es zu der Zeit, als er wirkte, keine Porträts. Niemand weiss, wie er aussah."

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SDA-ATS