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Der Konzernchef des Internetunternehmens Yahoo, Scott Thompson hat sich zu Unrecht als Computerwissenschafter bezeichnet. Der Konzern räumte am Donnerstag gegenüber dem Blog "All Things Digital" ein, dass Thompson keinen solchen Titel besitze.

Yahoo stellte sich ausdrücklich hinter seinen Chef. Die falsche Information sei ein "unbeabsichtigter Fehler" gewesen, erklärte das Unternehmen. Zuvor hatte Dan Loeb, der mit der Yahoo-Führung im Clinch liegt, auf Ungereimtheiten in der offiziellen Biografie Thompsons hingewiesen.

Loeb wies in einem süffisant formulierten Brief darauf hin, dass Thompsons Stonehill College erst vier Jahre nach dessen Abschluss 1979 überhaupt angefangen habe, Titel in Computerwissenschaften zu vergeben.

Grossaktionär und Hedgefonds-Manager Loeb stellte zudem ein Ultimatum: Entweder Thompson wird entlassen oder ein Rechtsstreit droht. Loeb nutzt den Fehler jetzt im Machtkampf mit Thompson um die Besetzung mehrerer Sitze im Verwaltungsrat, in den er selbst gerne einziehen möchte.

Loeb forderte am Freitag in einem Schreiben die Entlassung Thompsons wegen "unehrenhaften Verhaltens". Er signalisierte, eine Klage in Erwägung zu ziehen, sollte der Verwaltungsrat nicht bis Montagmittag "prompt und entschlossen" handeln.

Unklar ist, ob sich Aktionäre und Aufseher von Yahoo mit der knappen Erklärung des Unternehmens zufriedengeben. US-amerikanische Medien wiesen darauf hin, dass der falsche Titel schon zu Thompsons Zeit bei der Handelsplattform Ebay in seinen offiziellen Lebensläufen auftauchte. In Wirklichkeit hatte er einen Abschluss in Buchhaltung gemacht.

Thompson war Anfang des Jahres als grosser Hoffnungsträger zu dem mit Schwierigkeiten kämpfenden Internet-Pionier gekommen. Yahoo lebt von Online-Werbeeinnahmen. In diesem Geschäft sind Konkurrenten wie Google und zuletzt auch das weltgrösste Online-Netzwerk Facebook immer stärker geworden.

Thompson leitete einen strikten Sparkurs mit drastischem Stellenabbau ein. Vor seinem Antritt war Yahoo monatelang führungslos, nachdem die vorherige Chefin Carol Bartz nach zwei Jahren gefeuert worden war.

SDA-ATS