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Nizzas Saison unter erschwerten Bedingungen hält für Lucien Favre gleich zum Auftakt eine tückische Aufgabe bereit. In der Champions-League-Qualifikation wartet Europa-League-Finalist Ajax Amsterdam.

Das türkisfarbene Meer funkelt, die Touristen vergnügen sich an den wunderbaren Stränden der Côte d'Azur. Der Sommer ist ein Segen, den Fussballern des Olympique Gymnaste Club de Nice hingegen macht die sengende Hitze zu schaffen. "Es ist unglaublich heiss, wir wären besser in den Bergen", meldet Lucien Favre aus dem südfranzösischen Treibhaus. "Wir gehen schon 9 Uhr morgens auf den Platz." Die zweite Trainings-Lektion hat er angesichts der hohen Temperaturen auf den späten Nachmittag verlegt.

Favre ist flexibel. Nicht nur der Natur wegen musste er sein Programm in den vergangenen Wochen anpassen. Weil der Klub während der Meisterschaftspause in der eigenen Arena bis Mitte Juli keine Testpartien austragen durfte, tourte Favre mit seiner Equipe quer durch Europa - von Nyon via Gent über Prag bis an den Tegernsee. Der Popstar Céline Dion und ihre Konzert-Entourage genossen derweil ein Heimspiel im OGC-Stadion.

Seit knapp einem Monat entwirft der Romand einen neuen taktischen Plan, um im Nachgang zur besten Klub-Kampagne der letzten 41 Jahre dem Druck der finanzkräftigen Liga-Konkurrenz standhalten zu können. Er reizt in der täglichen Methodik alles aus. Zusammen mit seinem Stab hat er neue Trainingsformen entworfen. "Es geht immer weiter, man darf nie stehen bleiben und muss immer wieder etwas Neues erfinden." Hinter der für Favre-Equipen typischen System-Vielfalt steckt nicht primär ein Haufen Geld, sondern enorm viel Detail- und Knochenarbeit.

Der Coach war im Rahmen der fünf Testspiele auch bereit, eine Abreibung wie in Prag (1:4) zu riskieren. Das sei eine gute Gelegenheit gewesen, den Akteuren aufzuzeigen, was an Athletik, Konzentration und taktischer Auffassungsgabe nötig sei, um auch auf internationaler Ebene eine gute Figur zu machen. "Manchmal tut das gut."

Die (zu) frühe Prüfung

Favre bereitet Nice auf den nächsten europäischen Schritt vor. Ein Jahr nach der weitgehend unspektakulären Gruppenphase in der Europa League tritt der Verein mit dem 42-Millionen-Euro-Haushalt im Vorprogramm der Champions League auf. Die Perspektiven sind allerdings ungünstig. In der 3. Qualifikationsrunde treffen die Südfranzosen auf Ajax Amsterdam. "Ein grosser Name, der etwas auslöst bei den Fans", sagt Favre über den niederländischen Rekordchampion zur Nachrichtenagentur sda. Die Euphorie vor Ort ist tatsächlich beeindruckend gross - innert 36 Stunden waren die über 30'000 Tickets für die Allianz Riviera vergriffen.

Von einem Amsterdamer Ausverkauf will der Schweizer Trainer nichts wissen. "Sie haben genau zwei Stammspieler verloren - keinen mehr! Für uns wird diese Aufgabe sehr schwierig." Aber mit einem Kontrahenten dieser Stärkeklasse sei aufgrund ihres geringen Koeffizienten im UEFA-Ranking zu rechnen gewesen.

"Unser Problem wird sein, dass wir noch weit davon entfernt sind, komplett zu sein." Stammkeeper Yoan Cardinale verpasste wegen einer Schulterluxation den Grossteil der Vorbereitung, Wylan Cypriens Reha-Phase dauert bis zum nächsten März. "Das Timing ist nicht gut. Ich habe für unsere Startelf noch keine definitive Lösung gefunden", betont der Mann, der vom englischen Magazin "FourFourTwo" im Weltranking der Coaches auf Position 13 geführt wird.

Für den Geschmack des Romands kommt die erste wichtige Prüfung des Jahres zu früh. Er ortet speziell wegen der Rückkehr des universal einsetzbaren Ricardo Pereira zu Porto und dem nicht erneuerten Leih-Kontrakts mit Younès Belhanda (zu Galatasaray) in der kreativen Zone Raum für weitere Transfers. Selbst den späten Absprung namhafter Professionals schliesst Favre nicht kategorisch aus. Bis anhin hat die Vereinsleitung vier Neue im einstelligen Euromillionenbereich akquiriert, unter ihnen den 33-jährigen französischen EM-Teilnehmer Christophe Jallet von Lyon. Und sie hat unter Auslotung der finanziellen Grenzen den gut dotierten Vertrag mit dem schillernden Topskorer Mario Balotelli bis 2019 verlängert. "Kompensiert haben wir die Abgänge noch nicht", stellt Favre klar.

Ajax bereits durchleuchtet

So ungünstig der Zeitpunkt sein mag: Nice dürfte Ajax seinerseits vor Probleme stellen. Wer Paris Saint-Germain in der Ligue 1 vom Thron stösst, dem ist zuzutrauen, auch die Nummer 2 der Eredivisie hart zu bedrängen - zumal Favre den Gegner bereits intensiv geröntgt hat. "Wenn man stabil verteidigt und sich in der Rückwärtsbewegung geschickt verhält, bekommen sie Probleme."

Für den weiteren Verlauf der Saison ist das nicht unerheblich. Im Vergleich zur Konkurrenz im Ausland operiert Nice auf relativ bescheidenem Lohnniveau. Die Kaderplanung hängt durchaus mit dem Europacup-Kalender zusammen. Nice kann unter optimalen Umständen eine attraktive Adresse für Professionals der mittleren Gehaltsklasse sein. Scheitert der OGC indes früh, fehlt selbst auf nationaler Ebene der wirtschaftliche Spielraum.

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SDA-ATS