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Papst Franziskus hat die Existenz einer "Schwulen-Lobby" im Vatikan eingeräumt. "In der Kurie gibt es fürwahr heilige Leute. Aber es gibt auch eine korrupte Strömung. Man spricht von einer 'Schwulen-Lobby' und es stimmt, sie existiert", sagte Franziskus.

Die katholische chilenische Internetseite "Reflexion y Liberacion" veröffentlichte am gestrigen Dienstag eine Mitschrift der Aussagen des argentinischen Pontifex. Er hatte sie demnach bei einem Treffen mit Vertretern des Verbandes von Ordensleuten Lateinamerikas und der Karibik (CLAR) gemacht.

Die Authentizität des Protokolls wurde vom Ordensleute-Verband bestätigt. Auch der Vatikan dementierte die dem Papst zugeschriebenen Aussagen nicht.

In der mit 6. Juni datierten Ansprache zog Franziskus sowohl gegen den erzkonservativen als auch gegen den liberalen Kirchenflügel vom Leder. So machte er sich lustig über Traditionalisten, die ihm nach seiner Papstwahl in einem Brief "3525 Rosenkränze als besonderes spirituelles Geschenk" dargebracht hätten.

"Warum sagen die nicht einfach: 'Wir beten für Sie'?" Die Glaubenspraktiken aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1959-63) seien überlebt, betonte der Papst.

Doch auch mit einer allzu liberalen Interpretation des Glaubens kann der argentinische Jesuit wenig anfangen. "Ich kannte eine Oberin, die ihren Schwestern empfahl, statt des Morgengebets ein spirituelles Bad im Kosmos zu nehmen", hatte der Pontifex auch dafür eine launige Illustration parat.

Privates Treffen

Das Treffen hatte nach Angaben des Vatikans privaten Charakter. Wie die Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht auf Mittwoch meldete, lehnte es Vatikan-Sprecher Federico Lombardi ab, zu den kolportierten Papst-Aussagen Stellung zu nehmen. Die Ordensvereinigung CLAR beklagte, dass die Mitschrift veröffentlicht wurde.

Die Aussagen dürften den Spekulationen über die Hintergründe der "Vatileaks"-Affäre, die nach Ansicht von Beobachtern mit zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. beigetragen hatte, neuen Schwung verleihen. Italienische Medien hatten in diesem Zusammenhang von einer "Schwulen-Lobby" berichtet, die den Ende Februar aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Papst erpresst haben soll.

Franziskus hat nach seinem Amtsantritt im März eine Kardinalskommission eingesetzt, die Vorschläge für eine Reform der Kurie erarbeiten soll. Gegenüber den CLAR-Vertretern betonte der Papst, dass sich im Konklave "fast alle Kardinäle" für eine Reform ausgesprochen hätten. Er selbst könne diese aber nicht durchsetzen, "weil ich sehr unorganisiert bin".

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SDA-ATS