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Fussball - Ein Loch in einem Tornetz beschäftigt und belustigt die Bundesliga: Der Phantomtreffer von Stefan Kiessling beim Leverkusener Sieg in Hoffenheim ist ein Fall für das DFB-Sportgericht.
Das Skandalspiel mit dem Phantomtor von Stefan Kiessling hat den deutschen Fussball in helle Aufregung versetzt. Hoffenheim rechnet nach der kuriosen 1:2-Niederlage gegen Leverkusen am Freitagabend fest damit, dass sie vor dem Sportgericht des Deutschen Fussball-Bundes ein Wiederholungsspiel zugesprochen bekommt. "Alles andere wäre ja ein Witz", sagte Trainer Markus Gisdol und verwies auf den Fall Thomas Helmer von 1994. Damals hatte Helmer beim 2:1 des FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg ebenfalls ein Phantomtor erzielt. Das Spiel wurde wiederholt.
Bereits zehn Minuten vor dem Abpfiff trafen sich Alexander Rosen, der sportliche Leiter von Hoffenheim, und Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler im Kabinengang und sprachen über das weitere Vorgehen. "Wir werden Einspruch gegen die Spielwertung einlegen. Das Spielresultat wurde massgeblich beeinflusst", erklärte Rosen und kündigte an, dass der Verein am Samstag ein entsprechendes Schreiben aufsetzen werde. Völler äusserte Verständnis dafür: "Für Bayer ist das natürlich auch unangenehm, dass so ein Tor gegeben wurde. Wir können nichts dafür, Stefan Kiessling kann auch nichts dafür."
Der Stürmer hatte in der 70. Minute auf das Tor geköpft - am Pfosten vorbei, doch der Ball war durch ein Loch im Seitennetz in Schulterhöhe ins Tor geflutscht. "Im ersten Moment habe ich gedacht, der geht nicht rein. Dann kamen alle auf mich zugestürmt, und der Ball zappelte im Netz", erklärte Kiessling später. Der 29-Jährige hatte sich unmittelbar nach der Aktion verärgert an den Kopf gefasst und abgedreht. Er habe das Ganze "nicht genau gesehen". Er wisse auch nicht mehr genau, was er mit Referee Brych danach gesprochen habe.
Dass er den Ball nicht ins Tor geköpft hatte, hatte Kiessling dem ratlosen Unparteiischen jedenfalls nicht gesagt. "Jetzt im Nachhinein ist das eine Scheiss-Situation", meinte der Angreifer. Brych war in dem Moment jedenfalls der einsamste Schiedsrichter der Welt: Von seinen Assistenten kam keine Hilfe, die Hoffenheimer protestierten auch nicht lautstark, was Gisdol damit begründete, dass der Referee sie aufgefordert habe, wegzubleiben, sonst gebe es Gelb. Hoffenheims Goalie Koen Casteels sagte: "In so einer Situation denkst du nur, du hast einen Stellungsfehler gemacht und nicht, dass da ein Loch im Netz ist."
Brych stand nach dem Abpfiff völlig konsterniert vor den Fernsehkameras: "Es hat mir keiner gesagt, dass der Ball nicht im Tor war. Ich hatte leichte Zweifel, aber die Reaktionen der Spieler waren eindeutig, es gab kein Kontra", meinte der Olympia-Schiedsrichter, der auf der FIFA-Liste der möglichen WM-Referees für Brasilien 2014 steht. "Für mich ist das jetzt auch keine tolle Situation, ein Tor zu geben, das keins war."
Der 38-jährige Jurist aus München konnte am Ende froh sein, dass er mit heiler Haut unter die Dusche kam. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff hatte die Stadionregie in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena die Szene auf der Videowand gezeigt, und Stadionsprecher Mike Diehl brüllte in sein Mikrofon: "Der Ball war nicht im Tor." Daraufhin prasselten üble Beleidigungen auf Brych ein. Rosen nannte die Aktion "sicher unnötig", Völler hingegen erstaunte mit der Aussage: "Mir wäre es lieber gewesen, die hätten es direkt danach gemacht. Auch wenn es eine Busse gegeben hätte."

SDA-ATS