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Politik blockiert zweites Schutzgebiet für Indische Löwen

Insgesamt vier Indische Löwen leben im Zoo Zürich. In ihrer Heimat waren die Tiere vom Aussterben bedroht. Heute beträgt der Bestand rund 650 Tiere.

KEYSTONE/WALTER BIERI

(sda-ats)

Es ist ein besonderes Verhältnis, das der Zoo Zürich zu seinen Indischen Löwen hat. Die ersten beiden Tiere kamen 1991 nach Zürich, als Geschenk der indischen Regierung anlässlich des 700-Jahr-Jubiläums der Eidgenossenschaft.

Der Zoo war massgeblich am Start eines Zuchtprogramms für die seltenen Tiere beteiligt. Heute leben vier Indische Löwen in Zürich. Sie sind etwas kleiner und die Mähnenhaare der Männchen sind kürzer als bei den afrikanischen Verwandten.

Vor rund 2000 Jahren reichte ihr Verbreitungsgebiet noch von Bulgarien über Griechenland bis nach Indien. Anfang des vergangenen Jahrhunderts waren sie praktisch ausgerottet, bevor die letzten 20 Tiere unter Schutz gestellt wurden.

1965 wurde mit dem Gir Wildlife Sanctuary im Bundesstaat Gujarat ein erstes Schutzgebiet eingerichtet, zehn Jahre später innerhalb der Fläche eine Kernzone als Nationalpark ausgewiesen. Zu dieser Zeit lebten dort etwa 180 Indische Löwen, wie Zoo-Kurator Robert Zingg am Mittwoch sagte.

Politik versus Naturschutz

Um den Löwenbestand dauerhaft zu sichern, auch vor der Gefahr von Seuchen oder Naturkatastrophen, wurde bereits Anfang der 1990er Jahre beschlossen, ein zweites Schutzgebiet einzurichten und zwar im Kuno Wildlife Sanctuary im Bundesstaat Madhya Pradesh. Dafür wurden 24 Dörfer mit über 1500 Familien umgesiedelt.

Als Nahrungsbasis für die Löwen wurde der Wildbestand gefördert, und ausserdem haben die früheren Bewohner rund 2500 Rinder zurückgelassen.

Doch der Bundesstaat Gujarat war nicht gewillt, Löwen an Madhya Pradesh abzugeben. 2013 entschied das Oberste Indische Gericht, dass Wildtiere dem ganzen Land und nicht den einzelnen Bundesstaaten gehören. Gujarat wurde verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten Löwen an das neue Projekt abzugeben. Bislang sei dies jedoch nicht geschehen, sagte Zingg.

Löwe und Mensch kommen sich nah

Der Zoo Zürich unterstützt seit Jahren die Einrichtung eines zweiten Schutzgebiets. Im Gir Wildlife Sanctuary übertrifft der Bestand inzwischen die Kapazitätsgrenze von 320 Tieren. Immer mehr Löwen zogen in andere Gebiete. Gujarat richtete weitere Schutzzonen für diese Satellitenpopulationen ein. Im Jahr 2017 wurden auf einem Gebiet von 20'000 Quadratmetern 650 Löwen gezählt.

Neue Lebensräume fanden die Tiere unter anderem auch im Bereich von Siedlungsgebieten und hier kommen sich Dorfbewohner und Löwen oft sehr nahe. Obwohl das Zusammenleben nicht ganz konfliktfrei verlaufe, zeige die Landbevölkerung viel Toleranz gegenüber den Tieren, erklärte Zingg.

Doch durch die Ausweitung ihres Areals drohen den Tieren auch andere Gefahren. Sie werden Opfer von Unfällen auf Strassen oder Schienentrassen oder stürzen in ungesicherte Brunnen.

Zoobestände als Absicherung

Weil bis heute keine Löwen ins Kuno Wildlife Sanctuary umgesiedelt wurden, obwohl dort eine gute Nahrungsbasis zur Verfügung steht, prüfen die dortigen Behörden, ob im Zoo geborene Löwen ausgewildert werden sollen. Dies wäre jedoch wesentlich aufwändiger als die Umsiedlung. Im vergangenen Herbst wurde erneut das Gericht eingeschaltet.

Bis es eine zweite Population Indischer Löwen gibt, bilden die Tiere in den Zoologischen Gärten die Absicherung. In Asien leben rund 210 Tiere in Zoos, rund 140 Tiere gehören zum Europäischen Erhaltungszuchtprogramm.

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