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Sandra Lösch von der Abteilung Anthropologie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern hat zusammen mit einer internationalen Expertengruppe das Rätsel um einen Knochenfund gelöst.

Manu Friederich

(sda-ats)

Fachleute des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern haben zusammen mit internationalen Experten Knochen datiert, die in einem Schweizer Wald gefunden wurden. Die Wissenschaftler machten sich dabei neben Milben auch Fadenwürmer und Pilze zu Nutzen.

Nachdem in einem Schweizer Wald menschliche Überreste gefunden worden waren, wandten Polizei und Staatsanwaltschaft sich hilfesuchend an Fachleute des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern. Weil nur noch Knochen vorhanden waren, wurde Sandra Lösch von der Abteilung Anthropologie beigezogen.

"Dass wir sofort konsultiert wurden und Proben von der Umgebung der Leiche einsammeln konnten, hat sich auf die Rekonstruktion der möglichen Abläufe positiv ausgewirkt", wird Lösch in einer gemeinsamen Mitteilung der Universitäten Bern und Neuenburg vom Montag zitiert.

Milben liefern Hinweis auf Todeszeitpunkt

In interdisziplinärer Zusammenarbeit versuchten die Forschenden, den Ablauf der Tat zu rekonstruieren. Dafür kombinierten sie bisher noch nie gemeinsam genutzte Datierungsmethoden. Zum Einsatz kam einerseits die Radiokarbondatierung (C 14-Methode) von Knochen und Haaren.

Zudem studierten die Forschenden die Bodenchemie sowie nachgewiesene Mirko-Organismen wie Milben, Nematoden (Fadenwürmer) und Mikro-Eukaryoten (Pilze und Protisten). Diese Organismen werden mit verschiedenen Stadien der Zersetzung eines Leichnams assoziiert und liefern somit Hinweise auf den Todeszeitpunkt. Die zusätzliche Analyse von Fadenwürmern, Pilzen und Protisten wurde erstmals bei der Untersuchung eines Tötungsdelikts angewandt, wie es heisst.

Opfer identifiziert

Aus den gewonnenen Informationen schlossen die Experten, dass die Überreste bereits seit über einem Jahr an der Fundstelle gelegen hatten. Dank der Knochen-Analyse und einem DNA-Abgleich gelang es auch, das Opfer zu identifizieren. Es handelte sich um einen jungen Mann, der 22 Monate vor der Entdeckung zuletzt lebend gesehen worden war.

"Die Tatsache, dass mehrere Methoden übereinstimmende Ergebnisse im Hinblick auf das Alter des Leichnams ergeben haben, bestärkt uns in unseren Schlussfolgerungen und wird durch Zeugenaussagen noch unterstützt", wird Edward Mitchell, Professor für Biologie an der Universität Neuenburg und Direktor des dortigen Biodiversitätslabors in der Mitteilung zitiert.

Aus der Milbenanalyse ging zudem hervor, dass der Körper zunächst in einer abgedichteten Umgebung gelagert worden war. Über ihre Ergebnisse berichtete die Forschergruppe in der Fachzeitschrift "Scientific Reports".

Entwickelt haben die Neuenburger Wissenschaftler die Methoden, indem sie die Verwesungsprozesse von im Wald liegenden Schweinekadavern untersuchten. Dies sei die erste Gelegenheit gewesen, die Forschungserkenntnisse in der Praxis anzuwenden.

Fall noch nicht gelöst

An den Untersuchungen beteiligt waren zudem das Labor für Acarologie (Milbenkunde) der Universität Reading in England sowie die Forschungsstelle des Real Jardín Botánico in der spanischen Hauptstadt Madrid.

Trotzdem ist der Fall noch nicht gelöst. Die Täterschaft ist noch unbekannt, die Untersuchungen laufen weiter.

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SDA-ATS