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Der französische Präsident François Hollande kann sich die Hände reiben - die Versteigerung erlesener Tropfen aus dem gut bestückten Weinkeller des Pariser Elysée-Palastes übertraf alle Erwartungen.

Nach der zweitägigen Auktion am Donnerstag und Freitag kann sich die Präsidentschaft über Einnahmen in Höhe von 718'800 Euro freuen.

Die etwa 1200 verkauften Flaschen, unter denen auch Cognac und Champagner waren, brachten damit etwa doppelt so viel ein wie erwartet. Schon der Auftakt des Verkaufs im traditionsreichen Pariser Auktionshaus Drouot brachte am Donnerstagabend fast 300'000 Euro ein - mehr als für die zweitägige Versteigerung insgesamt erwartet worden war.

Das Ergebnis sei "phantastisch", begeisterte sich Auktionatorin Ghislaine Kapandji im prächtigen Drouot-Versteigerungsaal, wo sich zu Beginn der Auktion über 250 potenzielle Käufer und Schaulustige drängten. Die Kaufpreise lägen weit über dem, was auf dem Markt üblich sei, erklärte Kapandji.

Interessenten aus aller Welt

Manche der Schätzpreise - die zunächst zwischen 20 und 2500 Euro lagen - seien auf das Drei- oder gar Vierfache hochgeschnellt. "Das hat mit der Herkunft aus dem Elysée-Palast zu tun." An der Versteigerung nahmen auch mehrere hundert Interessenten aus aller Welt per Internet oder Telefon teil.

Der teuerste Wein war ein Pétrus aus dem Jahr 1990, der für 7625 Euro den Besitzer wechselte, obwohl er nur auf 2500 Euro geschätzt worden war. Auch am Donnerstag erzielte ein Pétrus aus dem Weinanbaugebiet Pomerol bei Bordeaux einen Spitzenpreis von 5800 Euro - ein chinesischer Importeur wird die Flasche mit dem Etikett "Palais de l'Elysée" mit nach Hause nehmen.

Ein Zehntel unter dem Hammer

Angeboten wurden 1200 Flaschen Wein aus ganz Frankreich. Insgesamt brachte der Elysée-Palast damit ein Zehntel seiner rund 12'000 Flaschen unter den Hammer. Die Regionen Bordeaux und Bourgogne (Burgund) waren besonders gut vertreten, aber auch Weine aus dem Elsass, dem Loire-Gebiet und dem Rhône-Tal kamen unter den Hammer.

Die Käufer kämen von überall, erläuterte Kapandji: aus Europa, den USA, Asien, Russland. "Die besten Flaschen gehen ins Ausland", betonte der Experte Ambroise de Montigny.

Kritik an Ausverkauf von Kulturerbe

Gerade dies ist manchen französischen Weinliebhabern aber ein Dorn im Auge. Michel-Jack Chasseuil, Besitzer eines renommierten Weinguts in der westfranzösischen Region Deux-Sèvres, machte seinem Unmut in einem Brief an Staatschef Hollande Luft. Mit dieser Versteigerung würden Weine, die ein "wahrhaftes Kulturerbe" Frankreichs seien, an "Milliardäre in aller Welt" verkauft, schrieb er.

Die Chef-Mundschenkin im Elysée-Palast, Virginie Routis, wies solche Kritik zurück. In Zeiten der Krise sei es nicht mehr möglich, "Weine für 2000 oder 3000 Euro" auf den Tisch zu stellen. Zumal solche Tropfen nur bei Staats-Galas serviert würden, an denen oft 300 Leute teilnähmen. Mit einem Teil des Geldes aus der Versteigerung will der Elysée-Palast nun preiswertere Tropfen einkaufen.

Der Weinkeller wurde 1947 auf Anregung des damaligen Präsidenten Vincent Auriol eingerichtet. Seither wurden die Bestände kontinuierlich aufgestockt - vor der Versteigerung lagerten in den Gewölben des 1720 erbauten Elysée-Palastes rund 12'000 Flaschen. Jährlich gibt das französische Präsidentenamt nach Angaben Routis' rund 150'000 Euro für Weine und Spirituosen aus.

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SDA-ATS