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René Weiler ist nicht mehr Trainer des RSC Anderlecht.

Zwei Tage nach dem enttäuschenden 2:2 in Kortrijk vermeldete der Titelhalter auf der klubeigenen Homepage, "Anderlecht nimmt Abschied von René Weiler".

Nach sieben Runden und nur zwei Siegen war der Schweizer Erfolgs-Trainer beim belgischen Rekordmeister vor allem in Fankreisen zu stark unter Druck geraten.

Die einflussreiche und gut unterrichtete Boulevard-Zeitung "La Dernière Heure" interpretierte das Communiqué zur Trennung als Demission des 44-Jährigen. Ihr Chef-Analytiker zog das makabre Fazit: "Weiler hat sich sein eigenes Grab geschaufelt."

Weiler, seit dem Sommer 2016 im Amt, hatte den Traditionsverein in der letzten Saison nach zwei Jahren ohne Trophäe zurück an die Spitze und in die wirtschaftlich erhebliche Champions -League-Gruppenphase geführt. Zu Beginn der aktuellen Liga-Kampagne tat sich der Meister indes schwer, zwölf Punkte büsste er in den ersten sieben Runden ein.

"Als Trainer gerät man schnell und immer wieder unter Beschuss, das ist unser Los. Ich konzentriere und fokussiere mich stets auf die fussballerisch bestmöglichen nächsten Entscheide. Reicht das nicht, muss ich mir auch keine Vorwürfe machen." Bereits in einem SDA-Interview nach dem Titelgewinn hatte Weiler die nicht ganz alltägliche Brüsseler Anspruchshaltung aufgegriffen und ein zeitloses Statement nachgereicht: "Der Sport produziert Gewinner und Verlierer, keiner weiss das besser als ein Trainer."

Kein Zuspruch mehr auf der Tribüne

Frustrierte Anhänger hatten vermehrt Schmählieder gegen den Coach intoniert und ihn auf Transparenten in respektloser Manier dazu gedrängt, den Verein unverzüglich zu verlassen. "Damit muss ich leben, Kritik ist Teil des Geschäfts", gab sich Weiler noch am letzten Samstag unbeeindruckt von der ungemütlichen Atmosphäre, aber er liess erneut durchblicken, dass ihn die permanente Forderung nach dem "schönen Spiel" nervte - gut genüge offenbar nicht, alles müsse immer auch noch primär schön sein.

Mit einem so raschen Liebesentzug der Kulisse war trotz der unvorteilhaften Entwicklung nicht zu rechnen gewesen. Noch vor Kurzem hatte die preisgekrönte Klub-Ikone Gille Van Binst dem Meistermacher zugejubelt: "Weiler ist ein Hero, Chapeau!" Selbst in den mehrheitlich kritischen Spalten des lokalen Schlagzeilenproduzenten war zu lesen, der Titelgewinn und Viertelfinal-Vorstoss in der Europa League seien in erster Linie ein Verdienst Weilers gewesen.

Der bis zur Schmerzgrenze konsequente Winterthurer war intern und auch ausserhalb des königlichen Parc Astrid bei den Verantwortlichen erstklassig positioniert. Klubchef Roger Vanden Stock nahm seinen Strategen an der Linie bei jeder Gelegenheit in Schutz. Zusammen mit Sportchef Herman Van Holsbeeck widerlegte er die Vorwürfe der anspruchsvollen Öffentlichkeit.

Nun hat der Wind beim Royal Sporting Club allerdings für alle Beteiligten zu scharf gedreht. Die medialen Kommentatoren warfen dem Meister-Coach taktische Alleingänge und schlechten Fussball vor. Die Kritiker formierten sich in ähnlicher Stärke wie im letzten turbulenten Herbst - und bei einer Institution wie Anderlecht wird jeder Fehltritt tagelang analysiert. Von mangelhaften Entwürfen statt einem funktionierenden Konzept war die Rede.

Auf derartige Unterstellungen seitens der Reporter reagierte Weiler zuletzt im scharfen Ton: "Es ist verrückt, dass gewisse Journalisten mehr über Spieler wissen, mit denen ich täglich zusammenarbeite."

Aus der Balance

Ihre meisterliche Balance des vergangenen Frühlings hat die Equipe bisher in der Tat nicht gefunden. Der Verkauf von Spielmacher Youri Tielemans an Monaco hat im Aufbau ein Vakuum hinterlassen. Zudem beeinträchtigten permanent aufflammende Transfer-Spekulationen um den 22-jährigen Mittelfeldspieler Leander Dendoncker das interne Klima erheblich.

Die eingeschränkte Planungssicherung während der internationalen Wechselperiode machte Weiler zu schaffen; er konnte nicht immer nur auf sportliche Kriterien Rücksicht nehmen. Teilweise ging es mutmasslich auch um vereinspolitische Angelegenheiten.

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SDA-ATS