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Ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des blutigen Kolonialkriegs in Algerien hat Präsident Sarkozy eine historische Verantwortung Frankreichs anerkannt. Frankreich habe die in seinen Diensten stehenden algerischen Hilfstruppen ("Harkis") beim Abzug schutzlos zurückgelassen.

"Frankreich muss sich dieser Verantwortung vor der Geschichte stellen", sagte Sarkozy am Samstag an einer Wahlkampfveranstaltung in Rivesaltes bei Perpignan im Süden Frankreichs. "Nichts kann das im Stich lassen derjenigen erklären oder entschuldigen, die sich für Frankreich entschieden hatten", sagte er zum Verhalten seines Landes vor 50 Jahren.

Ein am 18. März 1962 im französischen Kurort Evian unterzeichnetes Abkommen hatte das Ende der mehr als 130-jährigen französischen Herrschaft über Algerien eingeleitet. Ihm folgte ein Massenexodus der Algerienfranzosen.

Die "Harkis" waren zuvor entwaffnet und ihrem Schicksal überlassen worden. Den meisten drohte ein gewaltsamer Tod als "Verräter". Nur einigen Tausenden war mit ihren Familien die Flucht übers Mittelmeer nach Frankreich gelungen, wo sie zunächst lange interniert und misstrauisch beäugt worden waren.

Hollande hat das Nachsehen

Sarkozy setzt - wie vor fünf Jahren - als Kandidat bei der Präsidentenwahl in einer Woche auf die Stimmen der "Harki"-Nachfahren.

Der blutige Befreiungskampf der Algerier und die brutale Unterdrückung des 1954 begonnenen Aufstands gilt noch immer als nationales Trauma, das auf beiden Seiten des Mittelmeeres die Aussöhnung behindert.

Sarkozys sozialistischer Widersacher François Hollande hatte versprochen, im Fall seiner Wahl zum Präsidenten die historische Verantwortung Frankreichs anzuerkennen, die Harkis im Stich gelassen zu haben.

Wahlkampf unter freiem Himmel

Der Kandidat der Linksfront, Jean-Luc Mélenchon, eröffnete am Samstag mit einem Auftritt in Marseille den Reigen von Grossveranstaltungen von diesem Wochenende. Laut den Organisatoren kamen rund 120'000 Anhänger zu der Veranstaltung am Prado-Strand bei Marseilles.

Der Linkskandidat, dem in Umfragen ein Stimmenanteil von rund 14 Prozent vorausgesagt wird, rief seine Anhängerschaft auf, die an der Macht stehende politische Rechte zu zerschmettern. Das Volk werde nun seine Rechnungen begleichen.

Mélenchon hat seine Kundgebungen aus den Hallen unter den freien Himmel verlagert und schon zum dritten Mal grosse Massen mobilisieren können. Die beiden Spitzenkandidaten werden es ihm am Sonntag gleichmachen wollen. Sowohl Sarkozy als auch Hollande haben zu Grossveranstaltungen im Raum Paris aufgerufen.

SDA-ATS