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Berns Herausforderer Zug will der 19-jährigen Serie zahlreicher Enttäuschungen ein Ende setzen. Dem EVZ werden in der Final-Serie Chancen eingeräumt, den Titelträger ernsthaft zu bedrängen.

Der Wettbewerb im Schweizer Hockey-Business prosperiert. Von einer lähmenden Hegemonie wie im nationalen Klub-Fussball ist die Szene weit entfernt. Kein Klub dominiert die Liga konkurrenzlos, sieben Titelgewinne in Folge, wie sie der Rekordhalter Basel in der Super League geschafft hat, sind nahezu unvorstellbar. Seit der Jahrtausendwende haben einzig die ZSC Lions (2001) ihre Meistertrophäe erfolgreich verteidigt.

Favoritenstürze sind jederzeit möglich. Die Lions, eine der stabilsten Organisationen im Land, waren innerhalb von 24 Monaten gleich zweimal betroffen. Die Zuschauer goutieren die relativ unberechenbaren Verhältnisse, die Stadien sind sehr gut ausgelastet, das Niveau ist im internationalen Vergleich erstklassig. Das Produkt stimmt und wird mit dem neuen TV-Vertrag weiter aufgewertet; 35,4 Millionen fliessen in den kommenden fünf Jahren in den Kreislauf - rund 1,66 Millionen pro Verein.

"Wir sind nicht das A und O des Sports, aber im Allgemeinen wird auf Profi-Niveau gut zum Schweizer Eishockey geschaut. Wir bieten dem Publikum Unterhaltung", erklärte Berns CEO Marc Lüthi vor ein paar Monaten in einem sda-Interview. Mit seiner SCB-Gruppe prägt er das moderne Erscheinungsbild der NLA wesentlich. Seit Einführung des Playoff-Modus hat das Schwergewicht aus der Hauptstadt achtmal und so oft wie kein anderer NLA-Vertreter triumphiert.

Berner Winnertypen

Lüthi setzt mit dem landesweit grössten Eishockey-Konzern inzwischen nicht nur gegen 56 Millionen Franken um, sondern auch sportliche Massstäbe. Er hat den SCB positioniert. Und von der Spitze wird sich der Klub, der seit 2000 ununterbrochen schwarze Zahlen schreibt, so schnell nicht mehr verdrängen lassen. Der interne Anspruch ist beträchtlich, die tägliche Spannung spürbar. Der Klubchef verlangt viel: "Mitgehen, nie stehen bleiben, sich dauerhaft herausfordern lassen, nie das Gefühl haben, etwas geschaffen zu haben, das immer funktioniert."

Im Kerngeschäft Sport ist der Titelträger so gut aufgestellt wie im florierenden Gastrobereich der SCB-Gruppe. Der finnische Ex-Nationalcoach Kari Jalonen hat sich bereits in seiner ersten NLA-Saison auf allen taktischen Ebenen etabliert. Auf den Schlüsselpositionen ist Bern top besetzt. Der im Sommer engagierte Keeper Leonardo Genoni führt die SCB-Tradition herausragender Goalies fort. Er und weitere Key-Player garantieren Tiefgang.

Seit dem Absturz in die Abstiegsrunde 2014 transferierte der SC Bern 18 neue Hoffnungsträger in die Hauptstadt. Der Effekt ist beeindruckend, die Ergebnisse ebenfalls, die Mentalität hat sich vollumfänglich verändert. 20 ihrer letzten 24 Playoff-Partien haben die Champions gewonnen. In der aktuellen Kampagne waren weder Biel noch Lugano in der Lage, die zielgerichteten Winnertypen aufzuhalten.

Zugs Neuformierung und ein Commitment

In Zug kennen sie die relevanten Kennzahlen des abgebrühten Kontrahenten. Zeit, Berner Stilveränderungen und landesweite Erfolgsmodelle zu studieren, blieb dem EVZ während fast zwei Dekaden im Übermass. Seit ihrem ersten und bisher letzten Meisterschafts-Triumph vor 19 Jahren blieb den Innerschweizern in der finalen Phase nur die passive Beobachterrolle. 16 Anläufe endeten in der "Crunch Time" weitgehend unspektakulär, achtmal scheiterte Zug im Halbfinal.

Der Wind in der Innerschweiz hat gedreht, die Wahrnehmung des Gesamtvereins hat sich verändert. CEO Patrick Lengwiler formte eine breit verankerte Eishockey-Holding, die mittlerweile gegen 30 Millionen Franken bewegt. Und er lotste Raphael Diaz mit einem Fünf-Jahres-Kontrakt von den New York Rangers zurück zum Stammklub. Das Engagement des Abwehrpatrons mit mehrjähriger NHL-Erfahrung war deutlich mehr als eine Absichtserklärung. Überregionale Beobachter werteten den teuersten Deal der Klubgeschichte als Angriffserklärung an die Adresse der Etablierten.

Diaz soll die chronische Angst vor dem Versagen minimieren. Dank ihm dürfen die Zuger tatsächlich wieder von einem Höhepunkt träumen - er könnte den EVZ aus einer Warteschlaufe führen, deren Dimension mit dem Blick auf ein paar Schlagzeilen aus dem Jahr 1998 einfacher zu begreifen ist: Der 1. FC Kaiserslautern produzierte wenige Wochen nach der Zuger Sternstunde als Aufsteiger eine der besten Titelstorys der deutschen Sportgeschichte, in der Schweiz war GC (noch) eine massgebliche Grösse. Flavio Cotti wurde im Januar 1998 zum Bundespräsidenten gewählt, in Brüssel beschlossen Staats- und Regierungschefs der EU-Länder die Einführung des Euro.

Kesslers Kiosk-Souvenir

Einer der damaligen Zuger Helden erinnert sich im Detail an den meisterlichen Jahrgang: Dino Kessler, einst während zehn NLA-Kampagnen schussgewaltiger EVZ-Verteidiger, inzwischen nicht mehr mit dem Stock, sondern seit bald einem Jahrzehnt mit spitzer Feder für den "Blick" unterwegs. Die meisterliche Konstellation hat Kessler nicht vergessen. "Die Erwartungshaltung war extrem, weil wir im Jahr zuvor den Final gegen Bern mit einer eigentlich reiferen Mannschaft verloren hatten."

Ziemlich präsent ist dem 50-Jährigen auch der Umfang des länger anhaltenden Freudentaumels in der sportaffinen Kleinstadt. "Es war ein besonderes Ereignis, weil wir selber eigentlich nicht das Gefühl hatten, zu den NLA-Grössen zu gehören, und uns gar keine Gedanken zum Ablauf der Party machten." Die erste von diversen rauschenden Meisternächten endete abrupt am Bahnhofskiosk. "Die Frau an der Kasse jagte uns zum Teufel - sie hielt uns für eine Horde Rabauken."

SDA-ATS

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