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Der Winzer Pierre Gentizon (links) zeigt Bundesrat Johann Schneider-Ammann (Mitte) und dem Waadtländer Staatsrat Philippe Leuba in Constantine VD eine vom Frost geschädigte Rebe.

Keystone/CYRIL ZINGARO

(sda-ats)

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat am Freitag zwei Waadtländer Landwirtschaftsbetriebe besucht, um sich ein Bild der Frostschäden an Weinreben und Kirschbäumen machen zu können. Die Schäden sind gravierend.

Begleitet wurde der Wirtschaftsminister vom Waadtländer Staatsrat Philippe Leuba. Die beiden Politiker liessen sich im Gebiet des Mont Vully VD von einem Weinbauern und einem Kirschproduzenten die Folgen des aussergewöhnlich starken Frühjahrsfrost von vergangener Woche zeigen.

"Offensichtlich sind die Schäden so gravierend wie bisher noch nie", sagte Schneider-Ammann nach einem Augenschein vor Ort. Der Kirschproduzent Jean-Daniel Reuille sagte, er habe in sechzig Jahren noch nie etwas Vergleichbares erlebt.

Das genaue Schadensausmass für den Obst- und Rebbau lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht berechnen. Jetzt müsse man auf die Blüte warten, um die Ernte einzuschätzen, sagte der Weinbauer Pierre Gentizon.

Kleinbetriebe fürchten um Existenz

Obwohl eine Vorhersage schwierig ist, rechnet der Schweizer Obstverband mit bis zu 75 Prozent weniger Kirschen auf dem Markt in diesen Sommer. Bei den Äpfeln würden wohl zwischen 30 und 50 Prozent der Ernte wegfallen, bei den Birnen allenfalls mehr, sagte am Freitag Bruno Jud, Präsident des Schweizer Obstverbands.

Viele Bauern werden voraussichtlich gar nichts ernten können. Vor allem Kleinbauern und Familienbetriebe drohen finanzielle Engpässe. Sie erhoffen sich deshalb Hilfe vom Bund.

Schneider-Ammann zeigte sich bei dieser Frage zurückhaltend. "Unternehmer ist man nicht nur dann, wenn man Erfolge einzufahren hat und Geld verdient." Unternehmer sei man auch, wenn es einmal weniger gut gehe, sagte der Wirtschaftsminister.

Gleichzeitig räumte er ein, dass es sich bei der Landwirtschaft um einen speziellen Wirtschaftssektor handle. Die Bundesbehörden stünden derzeit mit den Kantonen und den Branchen in Kontakt, um auszuloten, welche Unterstützungsmöglichkeiten es für die betroffenen Bauern gebe.

Einkommensausfälle bis 2018

Von den Schäden am stärksten betroffen sind laut dem Eidg. Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) die Obstproduzenten in den Nordwestschweizer Kantonen Basel-Land, Solothurn und Aargau sowie das Wallis und die Ostschweiz. Der Totalschaden wird auf rund einen Drittel des Gesamtwertes geschätzt.

Zudem ist rund ein Drittel der Rebenfläche betroffen, am stärksten jene im Wallis. Für die betroffenen Produzenten entstehen damit Einkommensausfälle bis weit ins nächste Jahr, für Weinbauern auch darüber hinaus.

SDA-ATS

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