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Die französisch-südkoreanische Autorin Elisa Shua Dusapin, die in der Schweiz aufgewachsen ist und im Jura lebt, hat eine "zugleich enge wie ferne Beziehung zu Südkorea". (Pressebild)

Editions Zoé / Romain Guélat

(sda-ats)

Die Autorin und Walser-Preisträgerin 2016 Elisa Shua Dusapin hat einen französischen Vater und eine südkoreanische Mutter. Aufgewachsen ist sie zwischen Zürich und Paris, in Pruntrut ging sie zur Schule und am Literaturinstitut in Biel machte sie ihren Bachelor.

Seit sie 13 ist, besucht die Wahl-Jurassierin jedes Jahr Südkorea auf den Spuren ihrer Ahnen. "Ich habe auch Familie in Nordkorea, aber die Kontakte sind abgebrochen", sagt sie. 2012 hat sie sich an der Uni Yonsei in Seoul für einen Kurs in Südkoreanisch für Ausländer immatrikuliert.

"Ich habe eine zugleich enge wie ferne Beziehung zum Land. Am Anfang habe ich besser Koreanisch als Französisch gesprochen. Wir haben koreanisch gegessen und die Rituale des Konfuzianismus respektiert", sagt die Autorin, welche für den Roman "Hiver à Sokcho" den Walserpreis erhalten hat.

"An sich verstehe ich diese Kultur, aber jedesmal, wenn ich dort bin, geben mir die Südkoreaner zu verstehen, dass ich eine Fremde bin, auch wenn ich ihre Sprache spreche. Mein Koreanisch ist halt traditioneller als ihres".

Konsumrausch

Südkorea musste nach dem Krieg ökonomisch wieder auf die Beine kommen. "Der Aufschwung kam in den 80er und 90er Jahren. Alle Südkoreaner haben sich in den Dienst des Landes gestellt, um es wieder aufzurichten, auch wenn dadurch gewisse Werte aufgegeben werden mussten", hat die Autorin beobachtet

"Der Modernitätskult nahm überhand mit K-Pop (koreanische Popmusik) und im Kino. Der Konsumrausch, wie er einem heute in Südkorea begegnet, schockiert mich", sagt sie, die Traditionen und der Respekt vor den Ahnen gehe dabei verloren.

"Meine Grosseltern erlebten die Trennung von Nord- und Südkorea, durch die Familien auseinandergerissen wurden. Sie leben noch in der Vorstellung, die beiden Korea könnten wiedervereint werden. Die Koreaner meiner Generation wollen davon nichts wissen, aus Angst, eine Wiedervereinigung würde in einer ökonomischen Katastrophe enden".

"Der Bruch ist definitiv"

Mit der Zeit hat sich auch die koreanische Sprache auf den beiden Seiten der Grenze verschieden entwickelt. "Viele Südkoreaner haben nicht den Eindruck, einen gemeinsamen Geist mit den Leuten im Norden zu teilen. Dieser Bruch könnte definitiv sein."

Die südkoreanische Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rief noch den Krieg und die Trennung in Erinnerung und war eher nationalistisch. Aber seit etwa 20 Jahren "ist man zu einer Literatur übergegangen, welche sich eher auf die kulturelle Entwicklung Südkoreas konzentriert".

Hohe Selbstmordrate

Der südkoreanische Ausdruck "pali pali", der "schneller" bedeutet, ist heute in den Strassen von Seoul sehr beliebt. Der Lebensrhythmus hat sich beschleunigt, mit verheerenden Folgen. Südkorea hat eine der höchsten Selbstmordraten der Welt, mit 30 Suiziden auf 100'000 Einwohner.

"Viele Jugendliche träumen davon, den Bettel hinzuwerfen und im Ausland zu studieren oder zu arbeiten: in Grossbritannien vor allem, aber auch in Frankreich, Deutschland und seit einiger Zeit auch in der Schweiz, wenn sie die finanziellen Mittel dafür haben".

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SDA-ATS