Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrem Debüt und 17 Jahre nach dem ersten Erfolg kann Serena Williams in Wimbledon für einen weiteren Meilenstein sorgen.

Gewinnt Serena Williams am Samstag (15.00 Uhr) den Final gegen die Rumänin Simona Halep, würde sie mit dem 24. Grand-Slam-Titel den Rekord der Australierin Margaret Court einstellen.

Zwölf Monate nach dem verlorenen Wimbledon-Final gegen die Deutsche Angelique Kerber ist Williams die klare Favoritin. Dabei war die siebenfache Wimbledonsiegerin und Mutter der noch nicht ganz zweijährigen Alexis Olympia zuletzt eher in der Rolle einer Gelegenheitsspielerin. Jetzt ist sie die älteste Finalistin bei einem Grand Slam in 51 Jahren Profi-Tennis, das Finale steigt 75 Tage vor ihrem 38. Geburtstag. "Ich hätte das definitiv vor einem Monat nicht vorhergesagt, aber hier bin ich", sagte die ehemalige Nummer eins.

Beim French Open hatte Williams in der 3. Runde gegen ihre relativ unbekannte Landsfrau Sofia Kenin in zwei Sätzen verloren. Im Frühjahr war sie wegen Knieschmerzen und einer Viruserkrankung kaum angetreten oder hatte aufgegeben. Dass sie mit wenig Matchpraxis nach London kam und zuvor nicht einmal ein Drittel so viele Matches wie Halep bestritt, thematisierte sie selbst immer wieder. Der schnelle Rasen in Wimbledon könnte für die kraftvolle Aufschlagspezialistin die letzte Chance auf einen Grand-Slam-Sieg sein. Denn wie lange wird sie tatsächlich noch um die Welt touren?

Sie sei ganz ruhig und entspannt, betonte Williams nach ihrem Finaleinzug. "Ich liebe noch immer, was ich mache", sagte sie nach dem Halbfinalsieg über Barbora Strycova. "Und ich bin noch immer ziemlich gut darin." Gleichzeitig gestand sie aber, dass sich das "bei mir von Tag zu Tag ändern" könne. "Ich bin weit davon entfernt, perfekt zu sein." Rein statistisch ist die Sache allerdings klar: Von bisher zehn Duellen der beiden hat Williams neun gewonnen. Einzig bei den WTA-Finals 2014 triumphierte Halep.

Die Rumänin war zehn Jahre alt, als Williams zum ersten Mal in Wimbledon aufschlug. Ihre Mutter habe damals schon gesagt, es sei ihr Traum, ihre Tochter einst im Final von Wimbledon zu sehen. "Heute wird ihr Traum wahr, das ist ein spezieller Tag", erklärte Halep.

Im Lauf des Turniers, in dem sie wie Williams nur zwei Sätze abgeben musste, bewies Halep, dass ihr Agieren auf dem Court facettenreicher als in der Vergangenheit ist - auch auf Rasen. "Mein Spiel ist besser, ich kann überall gegen jede spielen", stellte die French-Open-Siegerin 2018 fest. "Ich verwende vermehrt den Slice, der Service hilft mir."

Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist vor dem Duell mit der lebenden Legende jedenfalls gross. "Ich habe Selbstvertrauen und keine Angst mehr davor, wie der Ball aufspringt. Ich fühle mich auch bei der Beinarbeit stabil, was auf Rasen sehr wichtig ist", berichtete Halep, die die Saisons 2018 und 2017 als Nummer eins der Welt abschloss.

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