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Kurz vor der geplanten Wiedereröffnung des Gezi-Parks ist die Polizei in Istanbul mit Wasserwerfern und Tränengas gegen mehrere tausend Demonstranten vorgegangen. Die Polizisten versuchten, rund 3000 Demonstranten am Zugang zum Taksim-Platz in der Nähe des Parks zu hindern.

Die Demonstranten hatten sich in der Istiklal-Strasse, einer Fussgängerzone, versammelt, die zu dem Platz führt. Nach Zusammenstössen mit der Polizei verteilten sie sich in den umliegenden Strassen. Bereitschaftspolizisten mit Schutzschilden und Gasmasken positionierten sich um den Taksim-Platz, um eine Rückkehr der Demonstranten zu verhindern. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen.

Der Taksim war das Zentrum der wochenlangen Proteste, die sich am Plan für die Umgestaltung des nahe gelegenen Gezi-Parks entzündet hatten und sich später allgemein gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan richteten.

Kontrolle zurückerlangen

Die Bewegung "Solidarität Taksim", die zu der Demonstration aufgerufen hatte, erklärte, die Bevölkerung wolle die Kontrolle über den seit Wochen geschlossenen Gezi-Park zurückerlangen. "Wir kehren zu unserem Park zurück, um denjenigen, die uns am Zugang gehindert haben, die Entscheidung der Justiz zu übermitteln, die den Bebauungsplan (...) gestoppt hat", erklärte die Gruppe.

Ein Gericht hatte bereits Anfang Juni geurteilt, dass der Umbau des Gezi-Parks unrechtmässig sei, weil die Bevölkerung nicht befragt worden sei. Doch wurde das Urteil erst in der vergangenen Woche publik gemacht.

Wenige Stunden vor den Zusammenstössen hatte Istanbuls Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu angekündigt, der Gezi-Park solle in Kürze wieder geöffnet werden. "Wir wollen ihn morgen oder spätestens Montag wieder allen Bürgern zur Verfügung stellen", sagte er. Parks seien aber nicht für Proteste da, sondern dienten der Erholung. Mutlu erinnerte zudem daran, dass auch Demonstrationen auf dem Taksim-Platz verboten seien.

Gegen Regierung Erdogan

Die Polizei war am 31. Mai gewaltsam gegen einige hundert Umweltschützer vorgegangen, die im Gezi-Park gegen das Abholzen von 600 Bäumen im Zusammenhang mit den Bauplänen protestiert hatten. Der massive Polizeieinsatz war einer der Auslöser für die Ausweitung der Proteste gewesen, die sich zunehmend gegen die Regierung Erdogan richteten. Bis zur gewaltsamen Räumung des Parks am 15. Juni hatten Regierungsgegner dort Tag und Nacht demonstriert.

Bei den wochenlangen Demonstrationen in der Türkei wurden drei Demonstranten und ein Polizist getötet, zudem wurden rund 8000 Menschen verletzt. Nach Schätzungen der Polizei hatten sich 2,5 Millionen Menschen in 80 türkischen Städten an den Demonstrationen beteiligt.

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SDA-ATS