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Simon Ammann gibt am Samstag in Pyeongchang mit dem Wettkampf von der Grossschanze seinen Abschied von Olympia - zu 99,9 Prozent.

Das Thema Simon Ammann und Rücktritt entfachte mit dem vierfachen Olympiasieger und nunmehr sechsfachen Olympiateilnehmer lange Zeit unangenehme Unterhaltungen. Der Toggenburger hielt sich oft bedeckt, wirkte manchmal zerknirscht oder gar genervt. Lieber sprach er von technischen Aspekten, von kommenden Wettkämpfen oder vom Feuer als Skispringer, das in ihm nach wie vor brennt. "Schreibt einfach, dies hier sind meine letzten Olympischen Spiele", sagte er vor vier Jahren in Sotschi salopp, um die Diskussion um seine Zukunft als Sportler zu beenden. Wahrscheinlich glaubte er damals seiner Aussage selber zu 99 Prozent. Vier Jahre später in Pyeongchang erhöhte er den Wert nun auf "99,9 Prozent" und begleitete die Prognose mit seinem typischen Lachen.

Der 36-Jährige fühlt sich inzwischen durch die Frage nach seiner Zukunft kaum mehr gestresst. Sie begleitet ihn nun schon seit sieben Jahren. Nach Sotschi ist Schluss. So lautete der allgemeine Tenor seit dem Frühling 2011, als der vierfache Olympiasieger entschied, seine phänomenale Laufbahn fortzusetzen. Im Januar 2012 - nach einer misslungen Vierschanzentournee - setzte Ammann allen Spekulationen zum möglichen Rücktritt vorzeitig ein Ende und verkündete, er werde die Karriere bis nach den Olympischen Spielen 2014 im Heimatland seiner Frau verlängern.

Verlängerung möglich

Bereits zu Saisonbeginn 2013/14 tönte er eine mögliche Verlängerung an. Vor einer vollgepackten Saison mit Tournee, Olympischen Spielen und Skiflug-Weltmeisterschaften stellte er sich die Frage: "Kann ich es diesen Winter so geniessen, wie ich es in einem letzten Jahr machen will?" Seine Antwort: "Vielleicht ist in den nächsten Monaten der Druck so gross, dass ich besser ein Extrajahr anhänge."

Sotschi missriet gründlich. Rund einen Monat später orientierte der Toggenburger über die Fortsetzung seiner Karriere. Im kommenden Winter etablierte er sich prompt an der Weltspitze. Er triumphierte zweimal in Kuusamo und stieg in Engelberg, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck drei weitere Male aufs Podest.

Dann kam der verhängnisvolle Sturz in Bischofshofen im Januar 2015, der ihn als Konsequenz zur Umstellung der Landung zwang. Der Familienvater wollte sich unbedingt beweisen, dass er dies noch hinkriegt. Dieser Prozess zog seine Karriere womöglich in die Länge. Knapp drei Jahre dauerte es, bis die Kampfrichter als Stilnote zumindest wieder eine akzeptable 18 eintippen.

"Ich will zeigen, dass ich zurecht noch Skispringer bin", sagte Ammann vergangenen November. Muss er als vierfacher Olympiasieger, Weltmeister, Gesamtweltcupsieger und Skiflugweltmeister doch noch etwas beweisen? "Viele Leute freuen sich, im Sport ein bekanntes Gesicht zu sehen. Deshalb spüre ich nicht einen grossen Druck von aussen", meinte der Routinier. Ihm geht es mehr um die Innenansicht. Physisch sei er auch mit 36 Jahren noch auf dem Niveau eines Spitzensportlers. Er ist schliesslich nur sechs Wochen älter als Roger Federer.

Erneute Verlängerung?

Geht es mit Ammann als Skispringer im kommenden Winter weiter? Nur ein guter Winter eröffne ihm die Chance, noch eine Saison anzuhängen, meinte er zu Saisonbeginn. Ist es ein guter Winter? Jein, lautet die Antwort bis jetzt. Der Podestplatz beim Skifliegen am Kulm und ein 5. Platz in Zakopane bildeten eher die Ausreisser nach oben. So richtig in den Top Ten angekommen ist Ammann noch nicht.

Im Gespräch vergangenen November liess sich der Schweizer eine weitere Option offen: "Auch der Weg von Bode Miller könnte für mich eine Möglichkeit sein." Der Amerikaner trat schleichend und im Stillen ab. Erst vergangenen Oktober, mit 40 Lenzen und zweieinhalb Jahre nach seinem letzten Ernstkampf, war es für den einstigen Skikönig Miller offiziell so weit. "Ich habe kein Bedürfnis nach einer Abschiedsparty", sagte Ammann, der vom Japaner Noriaki Kasai schwärmt. Dieser tritt in Pyeongchang zum achten Mal im Zeichen der fünf Ringe an.

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SDA-ATS