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Justizministerin Sommaruga nutzte die Interpol-Konferenz in Lugano dazu, um mehr Zusammenarbeit zwischen den Ländern bei der Bekämpfung des Menschenhandels einzufordern.

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

(sda-ats)

Fast eine Million Opfer von Menschenhandel gibt es in Europa. Justizministerin Simonetta Sommaruga forderte am Donnerstag an einer Interpol-Konferenz in Lugano TI mehr internationale Zusammenarbeit in dem Bereich. Alleingänge spielten Menschenhändler nur in die Hände.

Bundesrätin Sommaruga schilderte in ihrer Rede vor Fachleute aus der ganzen Welt das Schicksal einer jungen Rumänin, die zur Prostitution gezwungen wurde. Ohne Papiere sei sie ihren Peinigern ausgeliefert gewesen.

Auch 2016 gebe es Menschen, die wie "Leibeigene im Mittelalter" ausgenützt würden, sagte die Justizministerin. Der Bundesrat habe deshalb die Bekämpfung von Menschenhandel zu einer der kriminalstrategischen Prioritäten der Legislaturperiode 2016-2019 erklärt. Sommaruga rief in Erinnerung, dass die Schweiz die Europaratskonvention gegen Menschenhandel ratifiziert hat und aktuell einen zweiten Aktionsplan gegen Menschenhandel ausarbeite.

Zusammenarbeit als Schlüssel

Es sei mehr Kooperation zwischen den Staaten nötig, sagte Sommaruga. Alleingänge einzelner Länder spielten Menschenhändlern nur in die Hände. Interpol ermögliche es unter anderem, Vermisstenmeldungen international abzugleichen. Dies sei wichtig, da Opfer von Menschenhandel häufig von ihren Familien als vermisst gemeldet werden.

Die Bundesrätin berichtete vom konkreten Fall einer Frau aus Bulgarien, die in der Schweiz sexuell ausgebeutet wurde. Durch Interpol habe die Frau gefunden und befreit werden können.

Für eine umfassende Bekämpfung des Menschenhandels reiche dies aber nicht aus: Migrationsbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Ärzte sowie Spitäler müssten mit einbezogen werden. Denn Opfer würden häufig nicht von sich aus zur Polizei gehen, weil sie sich vor der Rache ihrer Ausbeuter fürchteten. Oder weil sie Angst hätten, das Land verlassen zu müssen.

Tessin im Brennpunkt

Beim Thema Menschenhandel stehe das Tessin in der Schweiz im Fokus, erklärte der Tessiner Staatsrat Norman Gobbi an der Konferenz. Nicht erst seit dem Balkankonflikt würden Schlepper und Menschenschmuggler auf der Nord-Süd-Achse operieren und damit direkt das Tessin passieren.

Laut Gobbi hat der Kanton aber in den vergangenen Jahren die geeigneten Instrumente geschaffen, um auf diese Situation zu reagieren. Im Südkanton schuf die Kantonspolizei im Jahr 2005 eine Spezialsektion namens TESEU, um gegen den Menschenhandel vorzugehen. Der Schwerpunkt wurde dabei auf den Bereich der Prostitution gelegt.

Seit 2015 besteht im Tessin ebenfalls eine Sonderheit gegen den Menschenschmuggel entlang der Flüchtlingsroute von Süditalien nach Nordeuropa. Dies geschah als Reaktion auf den tragischen Tod von 71 Flüchtlingen in einem Lastwagen im September 2015 an der österreichisch-ungarischen Grenze. In der GIRP genannten Sondereinheit arbeiten Tessiner Behörden zusammen mit Ermittlern aus Italien und Deutschland.

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SDA-ATS