Ein Streik hat grosse Teile des Pariser Metroverkehrs lahmgelegt. Beschäftigte der Nahverkehrsbetriebe protestierten damit am Freitag gegen Rentenreformpläne der französischen Regierung.

Zehn der 16 U-Bahn-Linien standen nach Angaben des Betreibers RATP komplett still. Auf vier weiteren Linien fuhren nur zu den Hauptverkehrszeiten Züge, zudem blieben einige Stationen geschlossen. Normaler Verkehr war nur bei zwei automatischen Linien angekündigt, die ohne Fahrer auskommen. Auch bei Bussen und bestimmten Vorortzügen kam es zu deutlichen Einschränkungen.

In der Hauptstadtregion Île-de-France drängelten sich am Morgen zeitweise deutlich mehr Autos als üblich, der Verkehrsdienst Sytadin registrierte in der Spitze insgesamt mehr als 275 Kilometer Stau. Nach Angaben des Nachrichtensenders Franceinfo waren Autobahnen in Richtung Paris besonders überfüllt.

Frankreichs Regierung will mit der grossen und politisch heiklen Rentenreform die Zersplitterung in Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen beenden. Arbeitnehmer sollen auch dazu gebracht werden, länger zu arbeiten. Das Projekt gilt als wichtigste Sozialreform in der noch bis 2022 dauernden Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron.

Für die Beschäftigten der Pariser Nahverkehrsbetriebe erwarten Gewerkschaften dadurch Einschnitte. Sie profitieren bei der Rente bislang von Sonderregeln und können beispielsweise früher in Rente gehen als andere Beschäftigte. Nach Angaben des französischen Rechnungshofs liegt das Renteneintrittsalter bei Mitarbeitern der Nahverkehrsbetriebe im Schnitt bei 55,7 Jahren, im allgemeinen Rentensystem dagegen bei 63 Jahren.

Haushaltsminister Gérald Darmanin verwies am Freitag im Sender Europe 1 darauf, dass bislang noch gar kein Gesetzentwurf vorliegt. Die Regierung will zur Vorbereitung bis Ende des Jahres Gespräche mit Sozialpartnern und Bürgern führen und strebt eine Parlamentsabstimmung bis zur Sommerpause 2020 an. Das neue System soll dann von 2025 an eingeführt werden.

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