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Gläubige beten am Tag der offenen Moschee der Bosnisch-Islamischen Gemeinschaft in St. Gallen: Fast alle zugewanderten Muslime fühlen sich hierzulande mit der Schweiz verbunden. Dennoch sind sie oft Vorbehalten der Einheimischen ausgesetzt. (Themenbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

(sda-ats)

Muslime sind gemäss einer Studie in Westeuropa immer besser integriert. Trotz meist kurzer Schulbildung haben sie Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Fast alle Muslime fühlen sich zudem mit der Schweiz verbunden. Zugleich müssen sie nach wie vor mit Vorbehalten kämpfen.

Zu diesen Schlüssen kommt eine am Donnerstag publizierte Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung. Verglichen wurde die Situation von Muslimen, die vor 2010 in die Schweiz, nach Deutschland, Österreich, Frankreich oder Grossbritannien kamen. Die Studie bewertete dabei Sprachkompetenz, Bildung, Arbeit und soziale Kontakte.

Im Vergleich schneidet die Schweiz bei der Integration von Muslimen auf dem Arbeitsmarkt gut ab. Bei deren Beteiligung gibt es laut der Studie keine wesentlichen Unterschiede mehr zur übrigen Bevölkerung. Der Anteil erwerbstätiger Muslime ist mit 83 Prozent sogar etwas höher als unter Nichtmuslimen (82 Prozent); Muslime arbeiten zudem häufiger Vollzeit (55 Prozent) als Nichtmuslime (48 Prozent).

Die gute Integration in den Arbeitsmarkt schlug sich aber noch nicht auf die Lohntüte nieder: Nach wie vor sind in allen untersuchten Ländern relativ grosse Einkommensunterschiede zwischen Muslimen und Nichtmuslimen festzustellen.

Besonders fromme Muslime werden demnach auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt: Bei gleichen Bildungsvoraussetzungen verdienen praktizierende Muslime im Vergleich weniger und üben auch seltener einen Beruf aus. Die Studie sieht hier einen Indikator für Diskriminierung, zudem könne eine strikte Befolgung religiöser Pflichten eine Erwerbsbeteiligung erschweren.

Kurze Schulbildung

Schlechte Noten erhält die Schweiz bei den Schulabschlüssen: Knapp drei Viertel der im Land geborenen Muslime (74 Prozent) verlassen bereits vor dem 17. Geburtstag die Schule, gefolgt mit einigem Abstand von Österreich (39 Prozent). Beim Spitzenreiter Frankreich beträgt der Anteil gerade einmal 11 Prozent.

Die Studie kommt zum Schluss, dass auch im Schulbereich die muslimischen Folgegenerationen den Bildungsrückstand ihrer Eltern und Grosseltern aufholen. Dies brauche jedoch Zeit - insbesondere in Ländern wie der Schweiz, in denen das früh sortierende Bildungssystem tendenziell dazu führe, dass Nachteile fortbestehen.

Frankreich zeichne sich dagegen durch "ein besonders chancengerechtes Bildungssystem aus". Dort lernen die Kinder länger gemeinsam. Zugleich sind aber Muslime in dem Nachbarland trotz höheren Schulabschlüssen überdurchschnittlich oft arbeitslos.

"Der internationale Vergleich zeigt, dass nicht Religionszugehörigkeit über die Erfolgschancen von Integration entscheidet, sondern staatliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen", sagt Stephan Vopel, Experte für gesellschaftlichen Zusammenhalt der Bertelsmann Stiftung.

Schleppende Sprachintegration

Die Befragung ergab weiter, dass 57 Prozent der in der Schweiz geborenen Kinder muslimischer Einwanderer mit einer Landessprache als erster Sprache aufwachsen. Dies ist der tiefste Wert unter den untersuchten Ländern.

Spitzenwerte weisen Frankreich (93 Prozent) und Grossbritannien (80 Prozent) auf, weil die Migranten Französisch respektive Englisch bereits vor der Auswanderung oder Flucht aus den ehemaligen Kolonien erlernt hatten. Die Studie beschreibt einen Trend in allen Ländern, wonach sich die Sprachkompetenzen mit jeder Generation verbessern.

Dies drückt sich auch darin aus, dass in der Freizeit viele interreligiöse Kontakte bestehen. In der Schweiz ist der Anteil der Muslime, die oft Freizeitbeziehungen zu Nichtmuslimen haben, sogar am grössten (87 Prozent).

Die Identifikation mit dem Aufnahmeland ist denn auch stark ausgeprägt: So fühlen sich fast alle Muslime mit der Schweiz verbunden (98 Prozent) - Platz eins unter den fünf Ländern.

Vorbehalte

Dennoch haben Muslime nach wie vor mit Vorbehalten zu kämpfen. Knapp jeder sechste nichtmuslimische Bewohner in der Schweiz (17 Prozent) gibt an, keine Muslime als Nachbarn haben zu wollen. In Österreich ist die Ablehnungsrate mit 28 Prozent mit Abstand am grössten.

"Wenn sich Gesellschaften verändern, wird das immer auch als spannungsreich empfunden", erklärt Vopel. Die Studie kommt zum Schluss: Obwohl sich Sprachkompetenz, Bildungsniveau und Erwerbsbeteiligung zwischen Muslimen aus Einwandererfamilien und Einheimischen angleichen, gehe dies nicht automatisch mit gesellschaftlicher Akzeptanz einher.

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SDA-ATS