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Ein Mythos liegt am Boden: Nach dem Grounding der Swissair musste Liquidator Karl Wüthrich das Firmengeflecht von 260 Gesellschaften entwirren und mit dem Verkauf der einzelnen Gesellschaften möglichst viel Geld herausholen. (Archiv)

KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

(sda-ats)

Am 7. Juni 2007 wurde im grössten Wirtschaftsprozess der Schweiz das Urteil gefällt: Freispruch für alle 19 Angeklagten im Swissair-Fall. Zehn Jahre später kann dieses Kapitel der Schweizer Geschichte noch nicht ganz ad acta gelegt werden.

Der Liquidator und Rechtsanwalt Karl Wüthrich arbeitet noch daran, den Gläubigern möglichst viel von ihrem Geld zurück bezahlen zu können. "Insgesamt haben wir Forderungen zwischen 15 und 20 Milliarden Franken anerkannt", sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Wüthrich arbeitet seit dem Beginn des Insolvenzverfahrens daran, die SAirGroup sowie deren Tochtergesellschaften SAirlines, Swissair und Flightlease zu liquidieren.

"Zu Beginn bestand die Swissair Gruppe aus einem Geflecht von rund 260 Gesellschaften", sagte Wüthrich. Dieses entwirrte er, indem er Konzerngesellschaften wie beispielsweise GateGourmet verkaufte, damit diese nicht auch in Schieflage gerieten. Zudem musste er mit solchen Verkäufen möglichst viel Geld generieren, um es den Gläubigern auszahlen zu können. Die gesamte Liquidation besteht aus zig einzelnen Projekten und Aufgaben.

Swissair zum grossen Teil aufgelöst

Der Prozess ist nach rund vierzehn Jahren weit fortgeschritten: "Achtzig bis neunzig Prozent der Aufgaben sind erledigt", schätzte Wüthrich. Er hofft, dass er die meisten noch hängigen Projekte in den nächsten zwei Jahren abschliessen kann. "Allerdings müssen am Schluss eines Verfahrens immer die kompliziertesten Projekte bereinigt werden", fügte er an.

Ein grosser Fortschritt konnte im vergangenen Jahr erzielt werden, hauptsächlich weil gegenseitige Forderungen zwischen den vier Gesellschaften bereinigt werden konnten. Zudem flossen bei der SAirGroup dank dem Verkauf des "Centre Swissair" in Genf 72 Millionen Franken in die Liquidationskasse.

Grossteil des Geldes bleibt verloren

Einen Grossteil ihres Geldes werden die Gläubiger dennoch nie sehen. Gemäss Schätzungen von Wüthrich erhalten die Gläubiger von Flightlease nur rund 11 Prozent ihrer Forderungen, jene von Swissair 17 bis 19 Prozent und jene der SAirGroup zwischen 19 bis 23 Prozent. Am besten sieht es bei der Gesellschaft SAirlines aus, bei welcher rund 39 Prozent der Forderungen erfüllt werden können.

Immerhin können die Gläubiger mit Forderungen in der dritten Klasse (Obligationäre, Lieferanten, Banken, Geschäftspartner) gemäss Wüthrich im Laufe dieses Jahres mit einer weiteren Zahlung rechnen. Die Gläubiger mit Forderungen in den ersten beiden Klassen (Arbeitnehmende, Pensionskassen; Sozialversicherungen) sind bei allen vier Gesellschaften bereits vollumfänglich ausbezahlt worden.

Der Swissair-Prozess vor zehn Jahren war der grösste Wirtschaftsprozess, den es in der Schweiz je gegeben hat. Am 7. Juni 2007 sprach das Gericht alle 19 Angeklagten - davon 16 ehemalige Verwaltungsräte sowie drei weitere Beteiligte - von jeglichen strafbaren Handlungen frei.

Besiegelt wurde das Schicksal der Swissair im Oktober 2001, als die Flugzeuge wegen fehlenden Geldes während zweier Tage am Boden bleiben mussten. Weltweit strandeten an einem einzigen Tag 38'000 Swissair-Passagiere. Die Schweiz stand unter Schock - und für viele bleibt das "Grounding" ein trauriges Kapitel der Schweizer Geschichte.

SDA-ATS

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