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Beim AHL-Team Syracuse Crunch hat Tanner Richard den Ansprüchen des Trainers nicht gereicht. Nun will er die WM in Paris und Köln als Schaufenster für einen neuen Vertrag in Nordamerika nutzen.

Dass Richard einer von acht WM-Neulingen in der Schweizer Equipe ist, kann als Überraschung bezeichnet werden, auch weil sich Syracuse mitten in den Playoffs befindet. Der 24-jährige, in Kanada geborene Center stiess erst am vorletzten Mittwoch zur Mannschaft und bestritt gegen Dänemark und Kanada seine ersten beiden Partien für das Nationalteam.

Zudem hat der Sohn des langjährigen NLA-Stürmers Mike Richard seit dem Wechsel zum Juniorenteam Guelph Storm im Jahr 2011 kaum auf grösseren Eisfeldern gespielt. Die Umstellung sei ein Prozess, so Tanner Richard. "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich keinen Unterschied spüre. In Nordamerika ist viel mehr Stoppen und Starten gefragt. Wenn man hier zu oft bremst, nimmt man sich aus dem Spiel heraus. Ausserdem macht man hier nicht jeden Check fertig."

Tanner Richard, der gegen Aufsteiger Slowenien eine Linie mit Simon Bodenmann und Damien Brunner bilden dürfte, hat viele Video-Stunden hinter sich, um das System der Schweizer zu verinnerlichen. Zudem schaut er sich bei den routinierteren Spielern entscheidende Details wie Laufwege ab, wenn er auf der Bank sitzt.

Erfüllung eines Traumes

Für Richard spricht sicherlich die Tatsache, dass er es sich gewöhnt ist, gegen grosse Namen anzutreten. "In der AHL gibt es viele junge Spieler, die später in der NHL sehr erfolgreich waren", sagte er. Bei den Junioren habe er sich mit den in den Drafts am höchsten eingestuften Talente gemessen.

Zudem ging für ihn kurz vor Weihnachten ein lang gehegter Traum in Erfüllung, als er dreimal für die Tampa Bay Lightning, die ihn 2012 als Nummer 71 gezogen hatten, auflaufen durfte. "Das war ein Highlight in meiner Karriere, wie auch diese WM eines ist", so Richard. "All das hilft mir schon. Gegen Kanada machte ich weniger grosse Augen wie die anderen." Überhaupt habe er in den sechs Jahren in Nordamerika sehr viel gelernt. "Ich bin sowohl als Mensch neben dem Eis als auch als Spieler gewachsen."

Wie war es, in der NHL aufzulaufen? "Das Niveau ist zwar höher, aber es ist einfacher, in der NHL zu spielen als in der AHL." Während in der NHL das Spiel kontrollierter gestaltet werde, seien in der AHL viele übermotiviert. Jeder wolle seine Checks machen und den anderen 'töten'.

Mit Teamgeist und Aufopferung

Das Aufgebot von Nationaltrainer Patrick Fischer ist für Richard ein Glücksfall, war er doch zuletzt bei Syracuse Crunch überzählig. Der dortige Headcoach Benoit Groulx, der seit 2016 im Amt ist, bevorzugt andere Spielertypen. Er hatte Richard schon zu Beginn der Saison mitgeteilt, dass es für ihn schwierig werde.

Dabei war der einstige Junior der Rapperswil-Jona Lakers in der Spielzeit zuvor mit elf Toren und 43 Assists in 71 Partien der beste Skorer des Teams gewesen. In der abgelaufenen Qualifikation brachte er es in 47 Begegnungen auf 34 Punkte (14 Tore). Auch dieser Wert kann sich durchaus sehen lassen.

Die WM will Richard als Schaufenster nutzen. Zwar hat er kürzlich einen Vertrag über zwei Jahre bei Genève-Servette unterschrieben. Geht es nach ihm, wird er diesen aber nicht antreten. Vielmehr will er sich in Paris für einen neuen Kontrakt mit einer NHL-Organisation aufdrängen. "Das ist immer noch mein Ziel", sagte Richard.

Zuerst einmal freut er sich aber auf das WM-Startspiel. Von der Mannschaft hat er einer sehr guten Eindruck, der Mix stimmt für ihn. Ambühl beispielsweise bestreite seine 14. Weltmeisterschaft. Es sei super, mit so jemandem zusammenspielen zu können. "Wichtig wird der Teamgeist und die Aufopferung sein. Damit können wir Erfolg haben."

SDA-ATS

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