Navigation

Tanzkompanie St. Gallen zeigt Schweizer Erstaufführung "Silber"

Dieser Inhalt wurde am 24. Oktober 2009 - 11:21 publiziert
(Keystone-SDA)

St. Gallen - In eine silbrig glitzernde Welt entführt die St. Galler Tanzkompanie mit der Schweizer Erstaufführung "Silber". Die handverlesenen Premierengäste zeigten sich begeistert von der gekonnt chaotischen Inszenierung.
Andy Warhol hätte sich wohl gefühlt im Stück des neuen St. Galler Tanzchefs Marco Santi, das am Freitagabend Premiere feierte. Silber steht laut der früh verstorbenen Pop-Art-Ikone für die Eroberung des Weltraums ebenso wie für die narzistischen Künstler der 60-er Jahre.
In Silber gehalten sind im Studio des Theaters St. Gallen nicht nur die Spiegel, in denen sich die schräg-schrillen Figuren bewundern, sondern auch eine riesige Plastikblase, in welcher sie sich selbst in Szene setzen. Silbern sind auch die Kleidchen der Stars und Sternchen, ihre Haare, Schuhe und Augenwimpern.
Silber steht für die "Silver Factory". Dieses von Andy Warhol gegründete Studio in New York war das Zentrum der Pop-Art. Stars aus Hollywood und die Superstars aus Warhols Entourage trafen sich dort. Sie vollführten bizarre Balanceakte zwischen Extase und Absturz, Lebensgier und innerer Ödnis, wie Choreograf Marco Santi und Raumgestalter Frank Fierke im Programm schreiben
Die Lust und Qual der Selbstinszenierung zeigt die Tanzkompanie mit schrillen Figuren wie dem Fitness-Junkie, der dem Körperkult total verfallen ist. Eine tragische Figur ein Transvestit, dem nichts so richtig gelingen will und dem mitten in einer Tanz-Orgie die Perücke von der Glatze fällt.
Meist wirkt das Stück manisch. Die Tänzer zeigen sich getrieben von einer wilden, kompromisslosen Selbstinszenierung, die sie bis zum bitteren Ende ausleben. Bei den Orgien auf und hinter der Bühne fliesst Alkohol in Strömen. Die Jungen und Schönen sniffen und schlucken Drogen, als ob es für sie kein Morgen gäbe.
Dass all die autistischen Figuren sich am Ende des gut einstündigen Stücks doch noch zum Gruppen-Tanz unter der Plastikblase finden, ist erstaunlich. Der Rythmus von Musikdesigner Roderik Vanderstraeten ist von Anfang an vorgegeben. Nur macht bei der wilden Studio-Party jeder, was er will und am besten kann - sich selbst feiern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?