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Tessin wählt ersten blinden Regierungsrat der Schweiz

Mit dem Tessiner SP-Politiker Manuele Bertoli ist zum ersten Mal in der Schweiz ein Blinder zum Regierungsrat gewählt worden. Die Sehbehinderung hat dem kantonalen Parteipräsident nach eigenen Angaben nie im Weg gestanden.

Technische Hilfsmittel wie Computer-Sprachprogramme ermöglichen es Manuele Bertoli, Texte zu hören und zu bearbeiten. Briefe scannt der Politiker ein und lässt sie sich vom PC vorlesen. Vorträge hält er frei.

Manuele Bertoli beeinflusst bereits seit zwölf Jahren als Grossrat die Tessiner Politik. Seit sieben Jahren präsidiert er die kantonale Sektion der SP. Beruflich ist der Jurist seit 2002 als Direktor beim Tessiner Blindenverband Unitas tätig.

Die Wege zur Arbeit und seinen politischen Verpflichtungen legt der zweifache Familienvater mit Bus und Bahn zurück. Sein geschultes Gehör und ein Blindenstock helfen ihm bei der Orientierung. Licht und Dunkelheit kann er noch auseinander halten.

Bertoli: "Bildliche Erinnerung an das Tessin"

Der 49-Jährige ist nicht immer blind gewesen. Eine Netzhauterkrankung, unter der er seit seiner Kindheit leidet, hat ihm erst nach und nach das Augenlicht genommen. Bis vor zehn Jahren konnte er seine Umgebung noch schemenhaft erkennen. Als junger Mensch war er sogar in der Lage zu lesen.

Bertoli sagt von sich selbst, dass er noch über bildliche Erinnerungen an das Tessin verfügt. In der Politik ist seine Sehbehinderung bisher kaum ein Thema gewesen. Nach Bekanntwerden seiner Kandidatur zum Staatsrat kam jedoch erstmalig die Frage auf, ob ein Blinder dieser Aufgabe wirklich gewachsen ist.

Als Staatsrat wird der Alltag einfacher

Bertoli hat aus diesem Grund auf seiner Internetseite einen kleinen Film veröffentlicht, der ihn in Alltagssituationen zeigt. Der Name der Homepage lautet wie sein Wahlkampfmotto: "Sehen um zu glauben" (www.vederepercredere.ch).

Als Staatsrat würde die Arbeit für ihn leichter werden, erläutert er in diesem Film. Müsse er heute alles alleine bewältigen, würden ihm als Regierungsmitglied Mitarbeiter zur Seite stehen, die für ihn Manuskripte vorbereiten und ihn im Dienstwagen zu Terminen bringen.

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