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Thomas Dressen steht auch nach seinem Sieg vom Samstag in der Hahnenkamm-Abfahrt mit beiden Füssen fest auf dem Boden. Als Legende will der Bayer schon gar nicht wahrgenommen werden.

Er nennt sich zielstrebig und bodenständig. Ein erstes Ziel hat Thomas Dressen ausgerechnet mit dem Sieg auf der Streif erreicht. Seine Bodenhaftung lässt ein Abheben nach dem grossen Triumph nicht zu. "Ich bin immer noch der Gleiche", sagt der Oberbayer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda in seinem Geburtsort Garmisch, wo am Samstag die letzte Weltcup-Abfahrt vor den Olympischen Spielen im Programm steht.

Dressen, der nunmehr in Scharnstein in Oberösterreich wohnt, spricht auch über das Limit im Abfahrtsrennsport, über seine Vorstellung von "normalem Leben", seine Verbindung zu Sölden, wo im September 2005 sein Vater Dirk bei einem Seilbahnunglück ums Leben gekommen war, und über sein Idol Sebastian Vettel.

Thomas Dressen, wie oft haben Sie sich schon gekniffen am Morgen? Oder anders gefragt: Hatten Sie in den letzten Tagen überhaupt Zeit, einmal in Ruhe über den verrückten Samstag in Kitzbühel nachzudenken, alles setzen zu lassen?

"Jedes Mal, wenn ich die 'Gams' (Trophäe) sehe, kann ich es nicht so richtig glauben. Ganz realisiert habe ich es immer noch nicht. Aber dafür habe ich nach der Saison genug Zeit."

Der Abfahrtssieg in Kitzbühel ist mit Legenden-Status verbunden. Sie hören das Wort nicht so gerne.

"Von einer Legende bin ich noch weit, weit entfernt. Jetzt habe ich gerade mal ein Rennen gewonnen. Ich selber würde mich deshalb nie als Legende bezeichnen. Da gibt es andere Kaliber, denen das zustehen würde. Ich aber gehöre da sicher nicht dazu."

Sie wurden überall als Sensationssieger dargestellt. Aus heiterem Himmel kam der Erfolg trotzdem nicht. Wer Dritter in Beaver Creek und Fünfter in Wengen wird, kann auch in Kitzbühel gewinnen.

"In Kitzbühel gelang mir mein erstes fehlerfreies Rennen in diesem Winter. Von dem her habe ich schon daran geglaubt. Natürlich nicht in Kitzbühel, das war für mich schon überraschend. Aber ich weiss um meine Stärken. Und die versuche ich auf jeder Strecke auszuspielen."

Ausgerechnet die Streif. Die schwierigste Abfahrt überhaupt. Um dort zu gewinnen, braucht es nicht nur Können, sondern auch jede Menge Mut. Wie breit ist bei Ihnen der Grat zwischen Angst und Respekt?

"Angst ist nie dabei. Respekt gehört immer dazu. Egal, wie oft man auf einer Strecke schon gefahren ist, und egal, wie einfach eine Piste sein soll. Für mich gibt es keine einfachen Strecken im Weltcup."

Gedanken ans Vorjahr, als Sie auf der Streif gestürzt waren, hatten Sie keine?

"Das im letzten Winter war ja kein Fahrfehler von mir. Es lag am Material. Deswegen spielte dieser Sturz für mich keine Rolle."

Ihr Cheftrainer Matthias Berthold sagt, dass es "nichts bringt, sich am absoluten Limit zu bewegen". Siegen kann man aber nur mit hundert Prozent Leistung und Überzeugung. Wie schaffen Sie diesen Spagat?

"Ich denke, da ist jeder Fahrer für sich selber verantwortlich, wie viel Limit er zulässt. Es gibt Passagen, die kann man voll am Limit fahren, solange man es unter Kontrolle hat. Ich bin einer, der gerne alles unter Kontrolle hat. Ich bin auch vom Fahrstil her nicht der, der immer die engste und geradeste Linie probiert. Eher einer, der mit Kopf fährt und in gewissen Passagen etwas Luft lässt."

In den letzten Tagen wird der Rummel gross gewesen sein. Sie bewegen sich seit Samstag sozusagen in einer anderen Welt.

"Die Welt hat sich für mich nicht verändert. Meine Freunde haben mit Skifahren nichts am Hut. Da wird dann halt nicht über meinen Sport geredet, sondern um die ganz normalen Dinge im Leben."

Das ganz normale Leben. Wie sieht das aus für Sie?

"Das hat mit dem Skirennsport nichts zu tun. Normales Leben heisst für mich Familie gründen, vielleicht ein Haus bauen."

Mit Sicherheit werden Sie nie in einer Stadt leben. Sie bezeichnen sich als Landei.

"Ich war noch nie in einer ganz grossen Stadt, weder in London noch in New York. Es fällt mir schon schwer, wenn ich nach München muss."

Sie tragen den Schriftzug "Sölden" auf Helm und Mütze. Sölden steht für das schwärzeste Kapitel in Ihrem Leben.

"Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Gegend da ist seit Jahren offizielles Trainingsgebiet des deutschen Teams. Für eine Partnerschaft mit mir haben ausschliesslich sportliche Gründe den Ausschlag gegeben."

Sie nennen Sebastian Vettel Ihr Vorbild. Warum?

"Es ist faszinierend, mit welcher Akribie er seinen Sport ausübt. Auch seine Bodenständigkeit imponiert mir. Schön, dass ich ihn in Kitzbühel im VIP-Zelt kennenlernen durfte."

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SDA-ATS