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Viele Fragezeichen zur Nordkorea-Politik: Beim gemeinsamen Medienauftritt von Trump mit dem neuen südkoreanischen Präsidenten Moon zeichnete sich wenig Konkretes ab. Statt von einem Alleingang sprach der US-Präsident jedoch von diplomatischen und wirtschaftlichen Massnahmen.

KEYSTONE/AP/SUSAN WALSH

(sda-ats)

US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf Nordkorea zu verstärken versucht. Die Geduld mit Pjöngjang "ist am Ende", sagte Trump am Freitag in Washington über das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm.

Bei einem Besuch des neuen südkoreanischen Staatschefs Moon Jae In verzichtete er jedoch auf explizite Drohungen mit einem Militärangriff und stellte stattdessen verschärfte diplomatische und militärische Druckmittel in Aussicht.

Die nordkoreanische Bedrohung verlange nach einer "entschiedenen Antwort", sagte Trump. Die USA bereiteten deshalb zusammen mit Südkorea, Japan und anderen Verbündeten neue Sanktionen vor.

China erwähnte der US-Präsident in diesem Zusammenhang nicht. In den ersten Amtsmonaten hatte Trump noch stark darauf gesetzt, dass Pjöngjang durch Druck seines Hauptverbündeten zum Einlenken bewegt werden könne. Zuletzt bezeichnete Trump dann aber die entsprechenden chinesischen Bemühungen als gescheitert.

Kein militärischer Alleingang

Bereits im Vorfeld von Moons Besuch hatte ein hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter deutlich gemacht, dass Washington weiterhin versuchen wolle, Nordkorea mit diplomatischem und wirtschaftlichen Druck zum Einlenken zu bewegen.

Bei seinem gemeinsamem Medienauftritt mit Moon im Rosengarten des Weissen Hauses unterliess es Trump denn auch, seine früheren Drohungen mit einem militärischen Alleingang der USA zu wiederholen. Stattdessen sagte er nur vage, die USA würden sich selbst und ihre Verbündeten "immer verteidigen".

Moon teilte seinerseits mit, dass der US-Präsident seine Einladung zu einem Besuch in Südkorea noch in diesem Jahr angenommen habe. Eine konkrete gemeinsame Linie gegenüber Nordkorea wurde bei dem Treffen der beiden Staatsoberhäupter jedoch nicht erkennbar.

Moon tritt für einen Dialogprozess mit Pjöngjang ein, wodurch er sich von der südkoreanischen Vorgängerregierung unterscheidet. Nach seinen Unterredungen mit Trump stellte er dies nun als gemeinsame Linie mit Washington dar.

Die USA und Südkorea strebten zusammen einen "umfassenden Ansatz" gegenüber Pjöngjang an, zu dem Sanktionen wie auch "Dialog" gehörten, sagte der südkoreanische Staatschef. Trump liess jedoch nicht erkennen, dass er tatsächlich an einem Dialog mit Nordkorea interessiert ist.

Spannungen verstärkt

Moon hatte während des Flugs nach Washington laut südkoreanischen Medien gesagt, Nordkorea sollten Zugeständnisse für den Fall angeboten werden, dass das Land sein Atomprogramm einfriere. Welcher Art diese Konzessionen sein sollten, konkretisierte er nicht.

Pjöngjang hatte lange Zeit angekündigt, sein Atomprogramm aufzugeben, wenn es zu einem Friedensvertrag mit den USA käme. Inzwischen ist allerdings unklar, ob diese Haltung noch Bestand hat.

In den vergangenen Monaten provozierte Pjöngjang die internationale Gemeinschaft mit mehreren Raketentests. Die Spannungen mit Washington wurden zudem zuletzt durch den Tod des US-Studenten Otto Warmbier weiter verschärft. Der 22-jährige Student fiel in nordkoreanischer Haft ins Koma und starb kurz nach seiner Rückkehr in die USA.

Die verhärtete Haltung der USA im Nordkorea-Konflikt zeigte sich auch darin, dass Washington am Donnerstag wegen mutmasslicher Geschäfte mit Pjöngjang erstmals Sanktionen gegen eine chinesische Bank verhängte.

SDA-ATS