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Die türkischen Verwaltungsräte des FC Wil legen ihre Mandate per sofort nieder und kündigen ihr Darlehen. Dies gibt der neue VR-Präsident Roger Bigger am Mittwoch an einer Pressekonferenz bekannt.

Ein Gremium mit Bigger an der Spitze bildet nun eine Task Force, um Lösungen zu finden, damit der Spielbetrieb in der Challenge League aufrecht erhalten werden kann. "Wir werden alles versuchen, um den Klub zu retten", so Bigger.

Die Gründe für den Ausstieg der Investoren um Mehmet Nazif Günal sind nicht bekannt. Bigger: "Ich weiss es nicht." Seit seinem Einstieg im FC Wil im Sommer 2015 hat Günal gemäss Bigger zwischen 25 und 30 Millionen Franken investiert - in Personal, Spieler und Trainerstaff.

Mittlerweile beschäftigt der FC Wil 70 Mitarbeiter. Mit diesen wurden erste Gespräche geführt. Im Profibetrieb hat der FC Wil ein für Challenge-League-Verhältnisse hohes Lohnniveau.

Um die Saison in der Challenge League beenden zu können, wird ein Sanierungsplan ausgearbeitet. Das Budget für das nächste halbe Jahr soll auf 2 bis 2,5 Millionen Franken reduziert werden. "Die Spieler müssen schmerzliche Lohneinbussen in Kauf nehmen. Sie wissen aber auch, dass der FC Wil eine gute Plattform ist", so Bigger. "Aber das Gelingen der Sanierungsaktion hängt von den Spielern ab."

Es würden nun bis zum Ende der Transferzeit am 15. Februar Anfragen für Wil-Spieler kommen, so Bigger. "Wir sind überzeugt, dass es Lösungen gibt."

Von Beginn an grosse Skepsis

Anfang Juli 2015 hatte die im Fluggeschäft, Tourismus und Hotelbau tätige türkische MNG-Gruppe um Mehmet Nazif Günal die Aktienmehrheit des Challenge-League-Vereins übernommen. Skepsis schlug ihr darob in der Ostschweiz von Anfang an entgegen.

Man konnte sich in Wil (und nicht nur dort) nicht erklären, dass der milliardenschwere Unternehmer Günal ausgerechnet den örtlichen Challenge-League-Verein ausgesucht hat, um sich den Traum vom eigenen Fussballklub zu verwirklichen. Wieso wurde aus einem Klub, der bislang mit als bester Ausbilder der Liga galt, einer, der gemäss Medienberichten plötzlich doppelt oder dreifach so hohe Löhne zahlen konnte wie andere Teams auf gleicher Stufe?

Die Zweifel legten sich in den nachfolgenden Wochen und Monaten nie. Im Gegenteil, sie wurden aufgrund sich häufender Negativschlagzeilen rund um den Klub zunehmend grösser. Die Trainer und Sportchefs gaben sich auf dem Bergholz die Klinke in die Hand, Informationen über fehlende Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen drangen an die Öffentlichkeit. Kontinuität, Ruhe, Aufbruchstimmung, Konzept, Erfolg? Fehlanzeige!

Die operative Führung unter der türkischen Leitung habe auf das Knowhow der langjährigen Schweizer Verwaltungsräte verzichtet, ärgert sich Roger Bigger, der nun wieder Verwaltungsratspräsident der FC Wil 1900 AG ist. Am Mittwochabend betonte er, dass vor der Übernahme des Klubs durch die MNG-Gruppe während eines halben Jahres eine Due Diligence (Risikoprüfung) durch renommierteste Anwaltskanzleien in Zürich stattgefunden hatte.

Erinnerungen an 2004

Bereits vor 13 Jahren war der FC Wil wegen ausländischer Investoren in die Schlagzeilen geraten, damals waren es Personen um den ehemaligen sowjetischen Offensivstar Igor Belanow gewesen. Es gelangen zwar die Rettung vor dem Konkurs und 2004 der überraschende Cupsieg gegen die Grasshoppers. Aber die Ostschweizer verschwanden nach dem Abgang Belanows und der Nachlassstundung in der Challenge League.

In der zweithöchsten Liga spielt Wil seither ununterbrochen. Im letzten Jahr wurde der angestrebte Aufstieg klar verpasst. In dieser Saison war dieses Unterfangen aufgrund des überraschenden Super-League-Abstiegs des FC Zürich und des eigenen schlechten Saisonstarts im Grunde genommen schon im August zum Scheitern verurteilt. Als Tabellenvierter ist Wil nach 19 Runden punktemässig dem Abstiegsplatz (13 Zähler Vorsprung auf Schaffhausen) näher als dem Aufstiegsrang (21 Punkte Rückstand auf Zürich).

SDA-ATS

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