Mit der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Fussballverbandes SFV vom Samstag in Ittigen geht die Zeit von Präsident Peter Gilliéron nach zehn Jahren zu Ende.

Mit 66 Jahren ist Peter Gilliéron in einem Alter, in dem es Präsidenten von nationalen oder internationalen Sportverbänden normalerweise noch lange aushalten. Gilliéron ist drei Jahre jünger als Dominique Blanc, einer der drei Kandidaten für die Nachfolge. Und Gilliéron ist heute zehn Jahre jünger, als es sein Vorgänger Ralph Zloczower bei dessen Rücktritt 2009 war.

Vor zehn Jahren begann der vormalige SFV-Generalsekretär Gilliéron, Berner Jurist wie Zloczower, Jurist auch wie Vorvorgänger Marcel Mathier, sein Amt mit einem riesigen Vertrauensbeweis. Die Delegierten wählten ihn mit vier Fünfteln der Stimmen, obwohl der Gegenkandidat renommiert war. Es war der frühere SBB-Direktor Benedikt Weibel, der sich ausserdem an vorderster Front für die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz engagiert hatte.

Sportlicher Erfolg auf allen Ebenen

Wer auf Gilliéron gesetzt hatte, wurde in den folgenden zehn Jahren nicht enttäuscht. Allein schon der sportliche Erfolg des Aushängeschilds Schweizer Nationalmannschaft war bemerkenswert. Die Nati bestritt unter Gilliérons sportpolitischer Leitung vier von fünf Endrunden. Nur an der EM 2012 in Polen und der Ukraine fehlte sie. Die Nati beendete zuletzt die Premiere der Nations League auf dem 1. Platz und wird im Sommer das Final-Four-Turnier in Portugal bestreiten. Die U17 wurde 2010 in Nigeria Weltmeister. Das Nationalteam der Frauen näherte sich der Weltspitze.

Was in vielen Lobreden wie eine Floskel daherkommt, ist für Peter Gilliéron ein gültiges Kompliment: Er leitete den Verband umsichtig. Auch vorsichtig und nie laut. Der Präsident hat kein einfaches Amt, weil der SFV heterogen ist. Viele Interessen der drei Abteilungen Profis, 1. Liga und Amateure unterscheiden sich sehr stark und laufen einander zuwider. Der SFV-Präsident, wer immer es ist, muss ausgleichend wirken und ein gewisses Harmoniebedürfnis haben. Gilliéron hatte es.

Nach der WM 2018 vernahm Gilliéron von nirgendwo eine klare Rücktrittsforderung. Aber er spürte von der Seite und von unten den sanften Druck, der bedeutete: Es wäre jetzt wohl an der Zeit, Peter.

Kein ausgewiesener Krisenmanager

Von den Ereignissen in Russland bleibt die Doppeladler-Affäre in Erinnerung, ebenso die unglücklichen bis dummen Äusserungen des SFV-Generalsekretärs Alex Miescher, der sich vor Mikrofonen darüber Gedanken machte, ob es Doppelbürger für die Nationalmannschaft noch brauche. Als oberster Verantwortlicher musste sich Gilliéron letzten Sommer ein schlechtes Krisenmanagement vorwerfen lassen. Aber wer managt eine Krise am besten? Ein Manager, der der Sportpolitiker Gilliéron nicht ist und nie war.

Gilliéron selber suchte Rat bei Bernhard Heusler. Der Basler analysierte, definierte Schnittstellen und kam unter anderem zum Schluss, dass die Nationalmannschaft einen vollamtlichen Manager braucht. Die Suche nach einem geeigneten Manager ist längst schon losgegangen. Ratifiziert wird das Massnahmenpaket am Samstag in Ittigen. Zum Abschluss des Ära von SFV-Präsident Peter Gilliéron.

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