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In Bezug auf den Golfsport ist Italien ein Entwicklungsland. Und dennoch stellen die Italiener seit Sonntag den Sieger des British Open, des ältesten Golfturniers: Francesco Molinari.

Nimmt man den sportlichen Erfolg der Profis zum Massstab und klammert man die Kleinstaaten wie Liechtenstein und Andorra aus, ist die Schweiz seit vielen Jahren das Schlusslicht unter den westeuropäischen Nationen. Dabei wäre eine Basis für eine gesunde sportliche Entwicklung vorhanden. Rund 90'000 spielen in 98 Klubs respektive auf 98 Plätzen. 1,1 Prozent der Schweizer Bevölkerung schwingen den Schläger.

Auch in Italien gibt es 90'000 organisierte Golferinnen und Golfer - allerdings auf eine Einwohnerzahl von 60 Millionen. Italiens Anteil an Golfern von 0,15 Prozent wird gemäss den letzten Erhebungen von 2015 innerhalb Westeuropas nur von Portugal (0,13 Prozent) unterboten. Was die Zahl der Plätze betrifft, hinkt Italien hinterher. Auf die Bevölkerung umgerechnet, kommt in Italien auf 217'000 Menschen ein Golfplatz. Dieser Wert ist unerreicht schlecht. In der Schweiz müssen sich theoretisch nur 83'000 Menschen einen Platz teilen.

Italiens Gegenpole in der Entwicklung des Golfsports sind England und Schweden. England zählt gegen 900'000 Klubgolfer. Die Zahl der nicht registrierten freien Golfer dürfte noch mehr als doppelt so hoch sein. Denn in England bieten selbst kleinere Gemeinden öffentliche Plätze an, die ohne Mitgliedschaft bespielt werden können. Schweden, wo Golf schon in den Siebziger- und Achtzigerjahren einen Boom erlebte, ist ein Phänomen. Rund fünf Prozent der Schweden und Schwedinnen spielen heute Golf. Der Gegensatz zu Italiens 0,15 Prozent könnte nicht frappanter sein.

Golf hat in Italien keine Tradition und - wie die Zahlen zeigen - so gut wie keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Eine konsequente und durchdachte Nachwuchsförderung gibt es erst seit wenigen Jahren. Bis diese ihre Früchte trägt, werden noch weitere Jahre vergehen.

Es spräche wenig dagegen, dass die Schweiz und Italien im professionellen Golf auf bescheidenem Niveau ähnlich erfolgreich wären. Aber die Unterschiede sind unglaublich gross. Während kein Schweizer Spieler in den letzten 14 Jahren den Sprung auf die europäische Tour geschafft hat, wimmelt es auf Europas höchstem Profi-Circuit geradezu von Italienern.

Über allen steht Francesco Molinari. Der 35-Jährige hat sich nicht erst mit dem Triumph am British Open im schottischen Carnoustie an der Weltspitze etabliert. Er ist auch auf dem grössten und lukrativsten Circuit, der US PGA Tour, mittlerweile eine feste Grösse.

In der Europa-Tour sind derzeit Andrea Pavan, Nino Bertasio und Matteo Manassero so klassiert, dass sie ihre Spielberechtigung in die Saison 2019 weiterziehen können. Lorenzo Gagli, Renato Paratore und Edoardo Molinari, der Bruder des Champions, folgen mit geringen Abständen. In Bezug auf reguläre Tourspieler führt Italien gegen die Schweiz also 7:0. Die Schweiz hat jedoch, wie dargestellt, keineswegs die schlechteren Voraussetzungen als Italien. Also müsste gelten: Was Italien kann, muss die Schweiz auch können.

Aber selbst die umtriebigen Franzosen kommen derzeit gegen die Italiener nicht an - obwohl Frankreich seit gut 30 Jahren eine aufwendige Förderung vorantreibt und obwohl es in Frankreich gut viermal mehr Golfer gibt als in Italien.

Unter den italienischen Profis - die meisten von ihnen kommen aus den grossen Agglomerationen Turin und Mailand - gibt es einen Rohdiamanten, der Francesco Molinaris Erfolge dereinst übertreffen könnte: Matteo Manassero. Der Golfer mit Jahrgang 1993 aus der Nähe von Verona gilt als eines der grössten Talente weltweit. Nach einem rasanten Start mit vier Siegen auf der Europa-Tour bis 2013 begann Manassero zu stagnieren. Derzeit geht es wieder aufwärts.

Costantino Rocca war der Pionier des italienischen Erfolgs. Der heute 62-jährige Genussmensch aus Bergamo gewann unter anderem 1997 das Omega European Masters in Crans-Montana. Er spielte im gleichen Jahr für Europa im Ryder-Cup-Team und besiegte im Einzel Tiger Woods.

Alles, was Italien im Golfsport bislang hervorgebracht hat, ist ein Wunder. "E un miracolo", sagt jedenfalls der frühere italienische Tourspieler Baldovino Dassù. Es sei ein Wunder, weil alle Erfolge nur auf der Initiative einzelner Spieler oder von Familien beruhen.

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SDA-ATS