Erneut sind in Frankreich zehntausende Anhänger der so genannten Gelbwesten-Bewegung auf die Strasse gegangen. Landesweit beteiligten sich am Samstag nach Angaben des Innenministeriums rund 84'000 Menschen an den Demonstrationen, es gab 244 Festnahmen.

In mehreren Städten kam es zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Polizei, insgesamt gab es jedoch weniger Gewalt als an früheren Protestwochenenden.

In Paris demonstrierten laut Innenministerium rund 8000 Menschen "ruhig und ohne schwere Zwischenfälle". Die "Verantwortung" habe sich gegen die "Verlockung der Auseinandersetzung" durchgesetzt, erklärte Innenminister Christophe Castaner.

Auf den Champs-Elysées in Paris ging die Polizei allerdings mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die mit Helmen, Masken und Rauchkerzen ausgerüstet waren. Nahe dem Arc de Triomphe wurden Polizisten nach Polizeiangaben mit Steinen beworfen, auch dort setzten die Ordnungskräfte Tränengas ein.

Ebenso kam es in mehreren weiteren Städten zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten, darunter Nîmes, Toulouse, Caen und Nantes.

Neunter Protest-Samstag

Es war der neunte Protest-Samstag in Folge. Die Gelbwesten-Bewegung setzt der Regierung Macron seit November zu. Mit ihren landesweiten Kundgebungen demonstriert sie gegen Steuer- und Preiserhöhungen sowie für eine verbesserte Kaufkraft der Franzosen.

Ursprünglich hatte sich die Bewegung gegen hohe Treibstoffpreise und die geplante Ökosteuer auf Diesel gerichtet. Später mischte sich in den Protest allgemeiner Unmut über die Politik der Regierung.

Präsident Emmanuel Macron versucht die Protestbewegung durch einen "Bürgerdialog" zu besänftigen, der am Dienstag beginnen soll. Die meisten Demonstranten können dem jedoch nicht viel abgewinnen.

Eine aus dem Alpenort Albertville im Département Savoie nach Paris gereiste Gelbwesten-Trägerin, die 34-jährige Charlotte, hatte für Macrons "Dialog" nur Spott übrig. "Das ist Quark, ein Ablenkungsmanöver" sagte sie. "Wir wollen nicht mehr reden, wir wollen Taten."

Die angekündigte milliardenschwere Zugeständnisse der Regierung, die unter anderem mehr Geld für Mindestlohnbezieher und Entlastungen für Rentner vorsehen, weisen die Demonstranten als ungenügend zurück. Viele fordern weitere Steuersenkungen, Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild sowie Macrons Rücktritt.

Gelbwesten auch in London

Die Wut aus Frankreich hat mittlerweile auch den Ärmelkanal überquert. Tausende Demonstranten protestierten nach dem Vorbild der Gelbwesten am Samstag in London gegen die britische Regierung. Sie forderten angesichts des Brexits ein Ende der Sparpolitik und eine Neuwahl.

Dem Aufruf der Kampagne "The People's Assembly Against Austerity" folgten auch Politiker und Gewerkschafter aus weiten Teilen des Landes. Etwa 5000 bis 10'000 Demonstranten hätten teilgenommen, sagte eine Sprecherin der Veranstalter in einer ersten Schätzung der Nachrichtenagentur DPA.

Auch Vertreter der Gelbwesten-Bewegung aus Frankreich nahmen an der Demonstration in London teil. "Alle europäischen Länder sollten sich diesem Kampf gegen die Sparpolitik anschliessen", sagte ein Teilnehmer aus Frankreich der britischen Nachrichtenagentur PA.

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