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Abendliche Kundgebung in Bratislava für den erschossenen Journalisten Kuciak und dessen Verlobte

KEYSTONE/EPA/JAKUB GAVLAK

(sda-ats)

Nach dem Tod des Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak in der Slowakei gerät die Regierung unter Druck. Zehntausende demonstrierten am Freitagabend in mehreren Städten gegen den von Kuciak aufgezeigten Filz aus Geschäftemacherei und Politik.

Allein für Bratislava schätzte die regierungskritische Tageszeitung "Dennik N" die Teilnehmerzahl auf bis zu 25'000. Kleinere Trauermärsche und Mahnwachen gab es in allen grösseren Städten der Slowakei.

Vor der slowakischen Botschaft in der Nachbarhauptstadt Prag versammelten sich am Abend Hunderte Menschen, um des getöteten Paars zu gedenken und Kerzen anzuzünden. Auch in mehreren anderen Ländern gab es solidarische Gedenkveranstaltungen.

In Bratislava rief Staatspräsident Andrej Kiska die Anwesenden zum Gedenken auf, verzichtete aber angesichts des bewusst unpolitischen Ziels der Kundgebung auf eine längere Ansprache. Im Trauerzug waren Transparente gegen die internationale Mafia ebenso wie gegen die politische Elite des Landes zu sehen.

Mehrere Hundert Demonstranten belagerten nach dem Ende des Trauermarsches den Eingangsbereich des slowakischen Regierungsamtes in Bratislava und forderten den Rücktritt von Innenminister Robert Kalinak. Manche riefen auch den sozialdemokratischen Regierungschef Robert Fico zum Rücktritt auf.

Mafia und Politik

Der 27-jährige Journalist Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren in der Nacht auf Montag in ihrem Haus tot aufgefunden worden. Sie waren nach Polizeiangaben durch Schüsse in Kopf und Brust im Stil einer Hinrichtung getötet worden.

Kuciak hatte über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert und war offenbar in seiner Untersuchung der sogenannten Panama-Papers auf mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Politikern und Regierungsmitarbeitern gestossen.

Zwei enge Vertraute des sozialdemokratischen Regierungschefs Robert Fico, die nach Recherchen Kuciaks mit italienischen Mafiagruppen in Verbindung gestanden haben sollen, legten ihre Funktionen im Regierungsamt nieder.

Der schon länger als Kritiker des Innenministers bekannte Kulturminister Marek Madaric hatte zuvor schon seinen Rücktritt damit begründet, dass er angesichts der Ermordung eines Journalisten nicht ruhig in seinem auch für Medien zuständigen Amt bleiben könne.

Absatzbewegungen

Am Freitag setzten sich Absetzbewegungen von Regierungspolitikern fort, die gegen Verbleib von Kalinak als Innenminister protestierten. Ein Parlamentarier der mitregierenden ungarisch-slowakischen Partei Most-Hid erklärte seinen symbolischen Austritt aus der Regierungskoalition. Sein Parteichef Bela Bugar forderte Kalinak zum Rücktritt auf, überliess die Entscheidung darüber aber den Sozialdemokraten als grösster Regierungspartei.

Der slowakische Mafia-Experte Radovan Branik brachte die Version ins Spiel, der ermordete Kuciak könnte einer riesigen Manipulation im Obersten Gerichtshof der Slowakei auf der Spur gewesen sein. Gekaufte Richter hätten demnach dafür gesorgt, dass ihnen die Entscheidung in finanziell lukrativen Streitfällen zugeteilt würden, womit ein Firmennetzwerk riesige Summen verdient habe.

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SDA-ATS