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Analyse des Schweizer Drogenmarkts

Handelsrepressionen schaden dem Drogenmarkt kaum.

(Keystone)

Eine Analyse des Drogenmarkts in Bern, Zürich und Basel kommt zum Schluss: Eine zeitlich und lokal begrenzte Verstärkung der Handelsrepression ist wirkungslos. Drogenpreis, -qualität und -menge bleiben unverändert.

In der Nationalfonds-Studie "Illegale Märkte für Heroin und Kokain" wurde anhand der Schwarzmärkte in den drei Schweizer Städten zum ersten Mal im deutschprachigen Raum untersucht, wie Abhängige und Dealer auf Veränderungen des Markts reagieren.

Rund 1'000 Personen wurden befragt. Die Studie sei somit aussagekräftig, sagt der deutsche Soziologieprofessor Norman Braun, der das Projekt leitete. Der Bericht stützt sich auf die Jahre 1997 und 1998 stützt.

Braun: "Citro" wenig erfolgreich

Insgesamt vier Sozialwissenschaftler nahmen vorab die Polizeiaktion "Citro" gegen die Dealerszene von 1998 in der Bundesstadt unter die Lupe. Untersucht wurden ihre Auswirkungen auf den Einzelhandel. Die Ergebnisse wurden mit Zürich verglichen, wo keine verstärkte Handelsrepression stattfand.

Das Fazit ist vernichtend: Preis und Qualität des Stoffs seien nicht tangiert worden, auch nicht die mittlere Zahl der Drogenverkäufe, sagt Braun. Abhängige und Dealer seien wegen des gemeinsamen Feinds enger zusammengerückt. Die unerwünschte Folge: Verbesserung der Markttransparenz.

Die einzige positive Auswirkung von «Citro» ist laut Braun, dass die Gewalt innerhalb der Szene gesunken sei. Ansonsten sei die Aktion weitgehend ohne Wirkung gewesen.

Wasserfallen: "Citro voller Erfolg"

Anders sieht dies der Vorsteher der Direktion für Öffentliche Sicherheit Berns, Kurt Wasserfallen (FDP): "'Citro' war ein voller Erfolg." Ziel sei gewesen, die sichtbare Händlerszene, welche die Bevölkerungung verunsichere, von der Strasse zu vertreiben. Dies sei gelungen. Man habe sich nie die Illusion gemacht, dass die Drogenmenge sinke. Der Markt sei dafür viel zu aggressiv.

Hohe Preise zunehmend wirkungsloser

Eine zweite zentrale Frage der Untersuchung zum Drogenmarkt war, wie stark der Verbrauch bei steigenden Preisen sinkt (Preiselastizität). Denn die Repression habe weltweit zum Ziel, die Preise nach oben zu treiben und somit die Konsummengen zunehmend zu senken, sagt Braun.

Der gewünschte Effekt stelle sich höchstens bei Kokain ein. Bei Heroinsüchtigen sei die Abhängigkeit so stark, dass der Konsum im Vergleich zum Preisanstieg nur unterproportional abnehme.

Vernetzung funktioniert

Der dritte Schwerpunkt der Studie betraf die Vernetzung. Der Handel finde vorwiegend unter Bekannten statt, bezahlt werde bar. Damit könne die Verbotspolitik leicht ausgehebelt werden.

Aus diesen Ergebnissen schliesst Braun, dass eine rigorosere Umsetzung der Verbotspolitik für die Beeinflussung des Drogenmarkts nur wenig bringt. Eine vergleichbare Studie zur Handelrespression in Sydney habe ähnliche Resultate gebracht.

swissinfo und Agenturen

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