Angeblich schwere Mängel bei der Verkabelung von MD-11 der Swissair

Laut einem von Familien der Swissair-Absturzopfer angestellten Experten weisen drei von ihm untersuchte MD-11 schwere Mängel bei der Verkabelung auf. Laut Swissair sind die MD-11 aber in perfektem Zustand.

Dieser Inhalt wurde am 11. April 2000 - 07:44 publiziert

Laut einem von Familien der Swissair-Absturzopfer angestellten Experten weisen drei von ihm untersuchte MD-11 schwere Mängel bei der Verkabelung auf. Er sprach nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Canadian Press gar von potenziell tödlichen Problemen. Laut Swissair sind die MD-11 aber in perfektem Zustand.

Ed Block, ein Verkabelungsexperte und Mitglied der US-Luftverkehrsbehörde FAA, hatte im Januar und Februar in der Schweiz im Auftrag von Opfer-Familien vier MD-11 der Swissair inspiziert, wie die Canadian Press berichtete. Eigene Ermittlungen der Hinterbliebenen hatte ein US-Richter bei einer Anhörung der Kläger im Herbst 1999 zugelassen.

Drei der vier Flugzeuge wiesen potenziell tödliche Probleme auf, sagte Block der Canadian Press. "Diese Flugzeuge riskierten jeden Moment einen Unfall", erklärte er. In einem Flugzeug habe er Spuren von Funkenschlag in der Verschalung direkt hinter dem Cockpit gefunden. "Wir sahen ein Brandmal in einem Kapton-Kabel, von dem Funken auf die Mylar-Isolierung gesprungen sind", sagte Block weiter.

Er habe bei diesen Inspektionen sehr unprofessionelle und zufällige Installationen gesehen, erklärte der Experte, der auch Vizepräsident der Internationalen Luftsicherheitsvereinigung ist: "Es erschien mir fast wie ein Wunder, dass es in diesem Zustand der Verkabelung bei diesen Flugzeugen nicht zu mehr Fällen von Kurzschlüssen oder Unregelmässigkeiten gekommen ist."

Spuren von Funkenschlag an Kabeln stehen auch im Zentrum der Untersuchung der Ursache des Unglücks, bei dem in der Nacht zum 3. September 1998 vor der kanadischen Küste alle 229 Insassen einer MD-11 der Swissair ums Leben gekommen waren. 16 Minuten vor der Katastrophe hatten die Piloten Rauch im Cockpit gemeldet und eine Notlandung vorbereitet.

Block wurde bei seinen Arbeiten laut dem Bericht von Vertretern der Swissair und der Herstellerfirma Boeing begleitet. Er habe auch fehlende Klemmschrauben und Kabel ohne Schutzumhüllung gefunden, sagte der Experte weiter. Zudem berichtete er von Kabel-Bündeln, in denen sowohl Kabel mit Kapton-Isolierung als auch solche mit der viel weicheren Tefzel-Isolierung zusammengefasst waren.

US-Militärexperten und weitere Fachleute warnen aber vor dieser Vermischung von Kabeln, da Kapton durch die Vibrationen Tefzel wie Schmirgelpapier bis zum nackten Kabel durchscheuern könne.

Swissair weist Vorwürfe zurück

Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel wies die Vorwürfe am Montag (10.04.)zurück. Die MD-11 der Swissair seien sehr sicher und in perfektem Flug-Zustand, sagte er Medienvertretern. Die Verkabelung und alle anderen sensiblem Bereiche seien seit dem Unglück mehrmals überprüft worden.

swissinfo und Agenturen

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