Angestellte der Chemie-, Elektro- und Maschinenindustrie fordern mehr Lohn

Hans Peter Oppliger (l.) und Vital Stutz (2vl.) vom VSAM fordern eine generelle Lohnerhöhung um 2 Prozent. Keystone

Mit der guten Konjunktur nach den mageren Wirtschaftsjahren wollen die Angestellten der Maschinenindustrie und der Chemie jetzt eine "Angestelltendividende". Die Lohnsumme der Betriebe soll um 4 Prozent steigen.

Dieser Inhalt wurde am 28. Juni 2000 - 16:35 publiziert

Hochkonjunktur, steigende Gewinne, anziehende Teuerung, Lohneinbussen der letzten Jahre - alle Zeichen in der Schweizer Wirtschaft erlauben nur einen Schluss: "Die Löhne müssen für 2001 deutlich nach oben korrigiert werden", sagte Vital G. Stutz, der Geschäftsführer des Verbandes Schweizerischer Angestelltenvereine der Maschinen- und Elektroindustrie (VSAM) am Mittwoch (28.06.) vor den Medien in Bern.

Die im Verband der Schweizerischen Angestelltenorganisationen der Chemischen Industrie (VSAC) eingebundenen Beschäftigten fordern eine "Angestelltendividende" von 4 Prozent.

Das sei wohl nicht in allen Branchen möglich, doch für die Exportindustrie stimme die Zahl, bleiben sie realistisch. Ausgehandelt werden die Löhne in den betroffenen Branchen im Herbst in den einzelnen Betrieben.

Zwei Prozent mehr Lohn für alle, zwei Prozent individuell

Die Angestellten wollen jedoch nicht nur mehr Lohn, sie wollen ihn auch gerechter verteilt haben. "Die Forderung teilt sich auf eine generelle Lohnerhöhung von 2 Prozent und einen gleich hohen individuellen Teil", erläuterte VSAC-Geschäftsführer Hans Furer, der auch Präsident der Vereinigung Schweizerischer Angestelltenverbände ist.

Das sei zwar gegen den Trend, aber aktueller denn je, sagte Furer. Dabei verhehlte er auch seine Sympathie für die Forderung der Gewerkschaften für einen Mindestlohn von 3000 Franken pro Monat nicht. Generelle Lohnerhöhungen seien auch aus der Sicht der Angestelltenverbände im Interesse der Arbeitnehmenden wie der Unternehmen.

In den letzten Jahren wurde die Lohnstruktur in den Unternehmen häufig zugunsten der Löhne des Managementes umgekrempelt. "Die Übrigen, besonders die Älteren, mussten sich mit bescheidenen Zuwachsraten begnügen.". Stärker ausgeprägte Leistungslohnsysteme und oft bewusst akzeptierte Lohnunterschiede innerhalb der Firmen verursachten jedoch "viel Unzufriedenheit", hiess es.

Hoher Personalwechsel - höhere Löhne bei den KMU

Die Folge sei eine "Abstimmung mit den Füssen", weiss Stutz aus der Maschinen-, Metall- und Elektrobranche. Der Personalwechsel sei in den vergangenen 12 Monaten auf 12 Prozent gestiegen, sagte er. Diese hohe Fluktuationsrate belaste jedoch die verbleibenden Beschäftigten und sei teuer.

Viele Angestellte wechselten aus Lohngründen, weiss Suzanne Weck, Präsidentin der Angestelltenvertretung bei Sulzer Winterthur. Favorisiert würden von vielen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Sie anerkannten schon in den Krisenjahren den "strategischen Wert" der Angestellten eher und bezahlten höhere Löhne, sagte Weck.

Aktienbeteiligung für Alle

Den Angestellten geht es laut Weck jedoch nicht um Geld allein. "Als Mitunternehmerinnen und Mitunternehmer sollten sie die Chance erhalten, sich am Geschäftserfolg und -risiko mit Aktien zu beteiligen", sagte Weck. Ausdrücklich "zusätzlich" zu den Lohnforderungen sollten Aktienbeteiligungssysteme eingeführt werden.

Das demokratisiere den Aktienbesitz, erlaube eine gewisse Einflussnahme und Einsatzbereitschaft und Motivation werden positiv beeinflusst, sagte die Personalvertreterin. Das allerdings nur, wenn ein im Unternehmen ausgehandeltes Beitragssystem gelte, das alle Angestellte einschliesse, nicht nur das obere Management. Der Kaufpreis sollten zudem unter dem Börsenkurs liegen - etwa 15 Prozent, wie Weck präzisierte.

swissinfo und Agenturen

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