Angestrebt wird ein Klima-Datennetz für alle

Steinschläge, wie dieser bei Gurtnellen um Mai 2006, werden nach Ansicht von Klima-Experten häufiger werden. Keystone

Die Klimaerwärmung verändert unsere Umwelt. Rund 1'500 Fachleute, Politiker und Wirtschaftsführer treffen sich nächste Woche in Genf, um über den internationale Austausch von Klimadaten zu sprechen.

Dieser Inhalt wurde am 30. August 2009 - 16:06 publiziert

Die Dritte Welt-Klima-Konferenz, organisiert vom der "World Meteorological Organization" (WMO) und der Schweiz, dauert vom kommenden Montag bis am Freitag, dem 4. September.

Am Genfer Treffen werde über Massnahmen entschieden, die über die Klimakonfernez der Vereinigten Nationen im Dezember in Kopenhagen hinausgehen, sagte der WMO Generaldirektor Michel Jarraud diese Woche.

Am der Klimakonferenz in Kopenhagen sei geplant, dass sich die Regierungen auf die Reduktion des CO2- Ausstosses einigen, während in Genf angestrebt werde, die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken für die Menschen und die Wirtschaft zu begrenzen, erklärte er. Dies soll unter anderem dank verbessertem Datenaustausch möglich werden.

"Ich hoffe immer noch, dass in Kopenhagen eine substanzielle Übereinkunft erreicht werden kann, trotz der extrem zähen Verhandlungen. Aber ob wir es schaffen, die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert auf zwei Grad zu beschränken oder nicht, Massnahmen zur Anpassung an die veränderten Bedingungen müssen wir so oder so treffen."

Überliefertes Wissen

Die Forschungen zur Klimaveränderung seien in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen, doch gebe es immer noch unbekannte Faktoren. Eine Millarde Dollar pro Jahr wären nötig, um ein Klima-Monitoring-Netzwerk auf die Beine zu stellen, sagte der WMO-Chef.

Während Politiker in einer Zeitspanne von fünf bis zehn Jahren agierten, erstellen Experten Prognosen in Bereichen von fünfzig bis hundert Jahren. "Wir müssen diese Zeitrahmen zusammenbringen",betonte er. "Obwohl die Probleme der weltweiten Erwärmung heute besser verstanden werden, werden die Erkenntnisse nicht in der bestmöglichen Weise genutzt."

"Die Vergangenheit ist kein guter Indikator mehr für die Zukunft", so Jarraud. Klimamodelle und Voraussagen seien wichtig für die Fischerei, das Forstwesen, den Verkehr und den Tourismus, wie auch zur Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria.

Das von Generation zu Generation weitergegebene Wissen in der Landwirtschaft werde immer weniger massgeblich. Dies, weil sich sowohl die Temperaturen als auch die Feuchtigkeit und der Zugang zu Wasser veränderten.

Konsequenzen für die Schweiz

"Die Folgen der Klimaveränderung treffen die Schweiz, wie viele andere dichtbesiedelte Industrieländer, stark", sagte Andreas Götz, Vizedirektor des Schweizerischen Bundesamtes für Umwelt (Bafu).

"Man braucht nur an die schmelzenden Gletscher und an die zerstörerischen Fluten von Gletscherseen zu denken", erläuterte er.

Auch ein veränderter Baumbestand in den Wäldern habe Folgen: Wenn sich die Temperatur um drei Grad erhöhe, würden die Wälder von Eichen dominiert. "Fünfzig Prozent der Schweizer Wälder haben eine Schutzwaldfunktion gegen Steinschlag", erklärt er. Eichen können diese Funktion weniger gut wahrnehmen als Nadelbäume.

In Zukunft werde die Schweiz mehr mit Fluten, heftigen Niederschlägen, Erdrutschen und Dürren im Sommer rechnen müssen, prophezeite Götz. Die Dürren beeinflussten die Wälder, die Landwirtschaft, die Flüsse und die Schifffahrt. Der auftauende Permafrost destabilisiere die Berge.

Deshalb sei es wichtig, die Klimaveränderung zu beobachten. Zusätzliche Instrumente wie Überwachungssysteme für den Permafrost und bei Felsabbrüchen sowie Gefahrenkarten für Überschwemmungen seien nötig, sagte Götz.

Die Schweiz ist keine Insel

"Diese Konferenz in Genf ist nicht nur für Wissenschafter und Meteorologen gedacht", sagte José Romero, Sektionschef beim Bafu. Das Treffen in Genf soll den Graben zwischen denen, die über lebensnotwenige Informationen zum Klima verfügen und denen, die Entscheide fällen, überbrücken.

Die Themen sind Forstwirtschaft, Energiewesen, Gesundheitswesen, Risikomanamgent, Lebensmittelproduktion und um den Wasserhaushalt auf der Erde. Die Schweiz würde die weltweite Zusammenarbeit in Klimafragen begrüssen.

Es wird erwartet, dass an der Konferenz eine Schlusserklärung verabschiedet wird, mit welcher sich die Länder auf freiwilliger Basis verpflichten, ihre Daten und Dienste anzubieben, um die klimatischen Voraussagen zu verbessern.

Simon Bradley, swissinfo.ch und Agenturen
Übertragung aus dem Englischen: Eveline Kobler

Die Schweiz und Kyoto

Im Kyoto-Protokoll (benannt nach dem Ort, wo die Konferenz in Japan stattfand) ist ein Zusatzprotokoll zur Ausgestaltung der Klimakonvention der Vereinten Nationen. Es verlangt von 37 Indstrienationen die Treibhausgas-Emissionen um durchschnittlich 5 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren.

Das Schweizer Parlament hat das Kyoto-Protokoll im Jahr 2003 ratifiziert. Da über 80% der schweizerischen Treibhausgas-Emissionen auf CO2 entfallen, hat die Schweiz ein spezifisches Reduktionsziel für dieses Gas festgelegt. Bis 2010 muss der Ausstoss gegenüber 1990 um 10% verringert werden.

Trotz diesen ehrgeizigen Zielen ist in der Schweiz der Ausstoss von Treibhausgasen um 0.4 Prozent gestiegen.

Im Jahr 2000 trat ein CO2-Gesetz in Kraft, mit dessen Hilfe die Klimaziele erreicht werden sollten. Ungefähr 1000 Unternehmen erlegten sich freiwillige Massnahmen zur Reduktion ihres CO2-Ausstosses auf.

Aber 2005 wurde klar, dass diese Massnahmen nicht ausreichen. Es zeigt sich, dass es schwierig ist, einen Konsens für schärfere Massnahmen zu finden.

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Die Rolle der Schweiz

Die Schweiz hat eine lange Tradition der Erforschung und Anpassung an Klimaveränderungen. Sie schlägt vor, weltweit ein System einzurichten, das es Entscheidungsträgern ermöglicht, genaue und rechtzeitigte Informationen und Prognosen zu erhalten.

Der Schweizer Umweltminister Moritz Leuenberger, der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, 80 Minister und 20 Staatsoberhäupter oder Regierungschefs hauptsächlich aus Entwicklungsländern werden erwartet.

Die Schweiz trug 1,8 Millionen Franken zum Gesamtbudget der Konferenz in Genf bei. Damit wurde die Anwesenheit von Experten aus Entwicklungsländern ermöglicht.

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