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Kantonalbanken am Abgrund

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Immer mehr kantonale Finanzinstitute geraten ins Schlingern. Nach der Genfer Kantonalbank sucht nun auch die Banque cantonale vaudoise Hilfe beim Staat.

Ist etwas faul im Staate der Kantonalbanken, namentlich in der Romandie? Die Liste der Finanzinstitute, welche in ernsthaften Schwierigkeiten stecken, wird immer länger. Nach Appenzell Ausserrhoden, Bern und Solothurn in der Deutschschweiz nun die Westschweiz mit Genf, Jura, Wallis und jetzt Waadt.

Die Waadtländer Kantonalbank (BCV), das viertgrösste Bankinstitut des Landes, muss heute die Rückstellungen auf 1,7 Milliarden Franken erhöhen. Dazu muss sie Reserven auflösen und das Aktienkapital um 600 Millionen Franken aufstocken.

Wie bei der Genfer Kantonalbank

Und wer soll das bezahlen? Zur Hälfte der Kanton Waadt. Es sieht so aus, als ob sich das gleiche Szenario abspiele wie zuvor im Nachbarkanton Genf. Aber dieser Eindruck täuscht. Die Banque cantonale genevoise (BCGe), welche viermal kleiner ist als die BCV, stand mit 5 Milliarden zweifelhafter Forderungen praktisch am Abgrund.

Bei der Waadtländer Bank geht es nur um 2,3 Milliarden. Das ist viel. Aber wer ist schuld daran? 1993 musste die BVC die Banque Vaudoise de Crédit übernehmen, welche sich damals im freien Fall befand. 1995 beschloss der Waadtländer Staatsrat die Fusion aller Banken, der bereits durch die BVCréd aufgeblähten BCV, des Crédit foncier vaudois und der Caisse d’épargne et de Crédit.

Ein schwererer Klotz am Bein ist schwer vorstellbar. Aber die Kantonalbanken leiden alle unter der gleichen Krankheit, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen: Sie müssen die lokale Wirtschaft stützen. 70% der kleinen und mittleren Unternehmen im Kanton Waadt sind bei der BCV angesiedelt.

Mit den Grossen mitspielen?

Resultat: wenn die Wirtschaft gut läuft, geht es auch der Kantonalbank nicht allzu schlecht. Aber sobald die Konjunktur rückläufig sit, können die Firmen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen.

Um neue Ressourcen aufzutreiben, diversifizieren die Kantonalbanken in andere Bereiche, zum Beispiel in Vermögensverwaltung oder in den Rohstoffhandel. So hatte sich die BCV an die Finanzierung der Schifffahrt in Griechenland gewagt und dazu sogar in Athen ein Büro eröffnet.

Aber kann ein Banker in Lausanne, Sitten oder Freiburg mit den Grossen mitspielen? Sich die weltweit besten Fachleute leisten? Mit den griechischen Reedern soll die Waadtländer Kantonalbank in zwei Jahren über 100 Millionen Franken verloren haben.

Ian Hamel

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